Ungewohnte Perspektive

9. Oktober 2014, 18:04
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Am Samstag wird in den Innsbrucker Kammerspielen "Sarajevo 14 oder der Urknall in Europa" von Franzobel uraufgeführt

Innsbruck - War womöglich der Fahrer an allem schuld? Schuld am Desaster des 20. Jahrhunderts mit zwei Weltkriegen und zig Millionen Toten? Der Fahrer Leopold Lojka, der an jenem 28. Juni 1914 in Sarajevo den Wagen lenkte, in dem das ungeliebte Thronfolgerpaar saß, und der versehentlich falsch abbog und just vor jenem Café anhielt, in dem der 18-jährige Gymnasiast Gavrilo Princip saß. Was folgte, waren die Schüsse, die Europa aus den Angeln hoben.

Mit diesem Gedanken spielt der Schriftsteller und - nach Eigendefinition - Revolutionär Franzobel in seinem Stück Sarajevo 14 oder der Urknall in Europa. Er hat es im Auftrag des Tiroler Landestheaters fürs Gedenkjahr verfasst. Franzobel, 2012 übrigens Stadtschreiber von Sarajevo, wählt als Ort seiner persönlichen Annäherung an die Geschichte die Wäscherei eines Frauengefängnisses irgendwo im Heute.

Die Insassinnen planen ihre Flucht, und dazu muss Chaos erzeugt werden. So führen die Damen ein Stück auf - ein heiteres noch dazu -, das die Ereignisse des 27. und 28. Juni 1914 aus ungewohnter Perspektive betrachtet. Sieben Schauspielerinnen müssen in diesem Stück im Stück zwischen mehreren Figuren beiderlei Geschlechts blitzschnell hin und her wechseln.

Die besondere Herausforderung für Regisseur Fabian Kametz und für Ausstatter Vazul Matusz lag darin, dass sie mit dem Konzipieren der Inszenierung beginnen mussten, bevor der endgültige Text vorlag. Dafür konnten sie noch Einfluss auf die Endfassung nehmen. (Dorothea Nikolussi-Salzer, DER STANDARD, 10.10.2014)

  • Aufstand in der Gefängniswäscherei: Ivana Nikolic, Petra-Alexandra Pippan, Eleonore Bürche (v. li.).
    foto: rupert larl

    Aufstand in der Gefängniswäscherei: Ivana Nikolic, Petra-Alexandra Pippan, Eleonore Bürche (v. li.).


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