Der Spieltrieb hinter dem Pokerface

9. Oktober 2014, 17:41
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Katharina Coponys Dokumentarfilm "Spieler" dreht sich um Menschen, die sich völlig dem Pokern verschrieben haben

Eigentlich handelt es sich bei Katharina Coponys Dokumentarfilm um ein paradoxes Projekt: Denn Spieler handelt von Menschen, die sich völlig dem Pokern verschrieben haben. Diese legen sich fürs Kartenspiel bekanntlich eine stoische Miene zurecht, manche behelfen sich auch mit einer (verspiegelten) Sonnenbrille: keine gute Voraussetzung für beredte Bilder.

Copony muss somit anders an die Materie heran, doch unkonventionelle Zugänge liegen ihr, das hat sie schon in Filmen wie Oceanul Mare bewiesen. In Spieler arbeitet sie einerseits mit einem Off-Kommentar, der die Studien am Pokertisch um Reflexionen über die Kondition des Spielerdaseins ergänzt. Die Entscheidung, dafür auf eine professionelle, allzu suggestive Sprecherin zurückzugreifen, erweist sich dabei eher als Nachteil.

Der zentrale Protagonist, der russische Jugendliche Rustem, geht seiner Leidenschaft online nach. Er ist einer von vielen, immer jüngeren Spielern. Copony beschreibt anhand seiner Person das Gefühl der Isolation, das mit der "Spielsucht" aufkommt. Die Getriebenheit wird in dem Film, der diese Parallelwelt atmosphärisch einfängt, dennoch schwer greifbar: Am ehesten sind es die Schauplätze, die angespannte Luft in Spielhallen und Turniersälen, die dem Spieltrieb ein Gesicht geben. (kam, DER STANDARD, 10.10.2014)

Ab 12.10. im Top-Kino

  • Strategien des Glücksspiels: die Poker-Doku "Spieler".
    foto: sixpack

    Strategien des Glücksspiels: die Poker-Doku "Spieler".


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