Emma und Ernest geben sich die Kugel

Kolumne12. Oktober 2014, 12:59
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Fantastische Geschichten aus der Welt der Werbung. Diese Woche: Kenzo. Warum Emma und Ernest die durchgeknallten Kunstprojekte ihrer Mutter ziemlich auf den Keks gehen

Ernest und Emma Engelhorn hatten es zeit ihres jungen Lebens nicht leicht gehabt. Zwar beschied der 2,47-Prozent-Anteil an BASF, den Papa Erich einmal seinen zwei einzigen Kindern vermachen würde, der Familie ein mehr als sorgloses Auskommen. Doch war durch Erichs Heirat mit Edda Böhringer-Baissmann auch ein ungesundes Maß an Kunsthörigkeit in den Engelhorn'schen Familienverband eingeflossen.

foto: lukas friesenbichler/foto originalsujet: pierpaolo ferrari

Eddas Großvater, Eugène Baissmann, war der wichtigste Pariser Galerist und Kunsthändler seiner Zeit gewesen. Er hatte noch mit Picasso Boule gespielt und mit Beuys Butterbrote gestrichen. Andy Warhols silberne Perücke hatte eigentlich mal Eugènes Frau Ella gehört – der findige Popkünstler hatte in ihr das Zentralstück für seinen neuen Look erkannt und das Ding bei einer Hausparty der Baissmanns einfach mitgehen lassen.

Edda hatte es auch mit der Kunst versucht, war aber aufgrund ihrer Faulheit und hartnäckiger Drogenprobleme schnell gescheitert. Es blieb ihr also nur, ihr vermeintliches Talent und Wissen auf diesem Gebiet in ihrer häuslichen Umgebung umzusetzen. Noch im Grundschulalter ergötzten Ernest und Emma die Verwandtschaft mit einer adventlichen Teilaufführung des Triadischen Balletts von Oskar Schlemmer. Zu Weihnachten wurde dann, als Hommage an Christo und seine Frau Jeanne-Claude, das komplette Mobiliar der Engelhorn-Villa in Ludwigshafen rosa eingepackt. Geschenke gab es dafür keine.

Das aktuelle "Projekt" von Mama Edda war eine Installation zum Thema Kapitalismus: Der Mensch als Opfer des Konsumwahns. Edda hatte im Souterrain des Hauses eine zwanzig Meter lange, mit rosa Plüsch bezogene Kegelbahn bauen lassen; Emma wurde von ihrer Mutter angewiesen, nach hinten wie tot umzufallen, nachdem sie eine Handtasche entgegengenommen hatte. Shop till you drop. Emma und Ernest standen jetzt schon geschlagene zwei Stunden in diesem albernen, albtraumhaft farbigen Zimmerchen herum. Wie schon so oft bei den durchgeknallten Projekten ihrer Mutter hätten sie sich mal wieder am liebsten die Kugel gegeben. (Stefan Ender, 12.10.2014)

  • Die Kreativität der Werbebranche ist grenzenlos. Genauso wie die Fantasie unseres Autors Stefan Ender. Er denkt sich an dieser Stelle wöchentlich eine Geschichte zu einer aktuellen Werbekampagne aus. Das Magazin mit dem aktuellen Werbesujet fotografierte Lukas Friesenbichler, das Originalmotiv stammt von Pierpaolo Ferrari.
    foto: lukas friesenbichler/foto originalsujet: pierpaolo ferrari

    Die Kreativität der Werbebranche ist grenzenlos. Genauso wie die Fantasie unseres Autors Stefan Ender. Er denkt sich an dieser Stelle wöchentlich eine Geschichte zu einer aktuellen Werbekampagne aus. Das Magazin mit dem aktuellen Werbesujet fotografierte Lukas Friesenbichler, das Originalmotiv stammt von Pierpaolo Ferrari.


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