Eine Hochzeit, wie es noch keine gab

Userartikel10. Oktober 2014, 10:33
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Schüler werden beim Steirischen Herbst zu Theaterkritikern

Es wird geladen zum Fest des Jahres, präsentiert von der Theatergruppe "Die Transmissionare". Es ist eine Einladung zu einer Hochzeit, wie es noch keine gab.

Seit 1968 thematisiert das Mehrspartenfestival Steirischer Herbst Themen und Fragestellungen mittels zeitgenössischer Kunst, um auf Situationen und Standards in unserer Gesellschaft aufmerksam zu machen. Der diesjährige Leitsatz "I prefer not to ... share!", nach dem sich auch die Hochzeit im Grazer Heimatsaal richtete, konfrontiert mit den Fragen: Wie viel teile ich? Was bin ich nicht bereit zu teilen? Bin ich überhaupt bereit zu teilen?

Da auch die Ehe stets mit dem Teilen verbunden wird, nahm sich die Dramatikerin Natascha Gangl vor, die klassische und altbekannte Dramaturgie einer Hochzeit etwas umzudichten. Braut und Bräutigam interessieren in der Regie von Kathrin Mayr niemanden mehr; drei Bräute in einzigartiger Aufmachung (Kostüme: Judith Förster) herrschen in "Nein, ich will! Eine Hochzeit für alle" über den Saal und die Hochzeitsgesellschaft.

Familiäre, echte Hochzeit

So, als wäre man ein Teil derselben, wird man auch empfangen. Ein Aperitif zu Beginn, eine Musikgruppe zum Auftakt und zugewiesene Plätze lassen vergessen, dass man sich bei einer Produktion des Steirischen Herbstes befindet - und nicht etwa bei der Heirat sehr entfernter Verwandter. Ambiente und Atmosphäre gleichen aufgrund der herrschenden Nervosität und Spannung tatsächlich einer zwar kleinen und familiären, aber dennoch echten Hochzeit. Diese Stimmung weilt jedoch nur so lange, bis die ersten Blumensträuße durch den Raum fliegen und die Bräute laut über die Wahrheiten des Lebens zu diskutieren beginnen.

Das Leitmotiv versickert nicht in der Handlung. Fragen wie "Warum teile ich?", "Warum teile ich mich?" und "Mit wem muss ich teilen?" bleiben präsent in Raum und Kopf und sorgen für einen festen, permanenten Platz des Stückes in den Gedanken der Zuschauer. Für alle, die sich einen Einblick in den Inhalt des Steirischen Herbstes verschaffen wollen, ist dieses skurrile, durchaus humoristische Stück eine gute Gelegenheit. (Theresa Rauch, derStandard.at, 10.10.2014)

Anlässlich der Uraufführung des Stücks "Nein, ich will! Eine Hochzeit für alle" von Natascha Gangl beim Steirischen Herbst fand in Graz ein von Thomas Trenkler geleiteter Theaterkritik-Workshop für junges Publikum ab 14 Jahren statt. Die Schülerinnen und Schüler der Oberstufe besuchten nach einer Einführung in die Grundlagen der Theaterkritik die Generalprobe des Stücks - und hatten die Aufgabe, danach einen Text zu schreiben. Die Herausforderung war groß, denn "Nein, ich will!" ist kein klassisches Theaterstück, sondern eine postdramatische Impro-Performance. derStandard.at veröffentlicht die beste eingelangte Kritik. Sie stammt von Theresa Rauch (HLW Schrödinger).

  • Die Uraufführung "Nein, ich will! Eine Hochzeit für alle" von Natascha Gangl beim Steirischen Herbst.
    foto: wolfgang silveri

    Die Uraufführung "Nein, ich will! Eine Hochzeit für alle" von Natascha Gangl beim Steirischen Herbst.

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