Temelin-Betreiber begrüßt EU-Entscheid zu AKW Hinkley

9. Oktober 2014, 13:19
58 Postings

Tschechischer Energiekonzern CEZ sieht Präzedenzfall für ähnliche Projekte

Prag - Der tschechische Energiekonzern CEZ hat die Entscheidung der EU-Kommission, dass das britische AKW Hinkley Point mit Staatsbeihilfen gefördert werden darf, begrüßt. Der zu 70 Prozent staatliche Betreiber der Atomkraftwerke Temelin und Dukovany sieht darin einen Präzedenzfall für ähnliche Projekte.

"Wir sind überzeugt, dass das Model Hinkley Point trotz aller Spezifika den Weg zu ähnlichen Projekten in Europa eröffnet. In der Vergangenheit war es immer so, dass ein Durchbruch die Tür für andere geöffnet hat", sagte der CEZ-Sprecher Ladislav Kriz der Nachrichtenagentur CTK. Derzeit könne keine Energiequelle ohne Unterstützung aufgebaut werden. Die bisherige Unterstützung nur eines Typs von erneuerbaren Energiequellen habe "das Marktumfeld in Europa völlig zerrüttet". Europa werde sich mit dem Thema der Unterstützung künftig bei allen Typen von Kraftwerken befassen, sagte Kriz weiter.

Entscheidung nicht übertragbar

Anders sieht dies dagegen der Analyst der Bank J&T und CEZ-Aktionär Michal Snobr. Er wies darauf hin, dass die Situation in Großbritannien und Tschechien sehr unterschiedlich sei. Die Entscheidung der EU-Kommission sei nicht übertragbar auf die Tschechische Republik. "Der Hauptgrund ist, dass es sich um ein Kraftwerk auf einer Insel handelt und dass sein subventionierter Betrieb die Energiepolitik keines anderen Staates beeinflusst und das Unternehmen keine andere Firma auf dem Markt gefährdet", sagte Snobr dem Nachrichtenportal "iDnes.cz".

Laut Snobr ist es "sehr unwahrscheinlich", dass ein ähnliches System in Ländern durchsetzbar wäre, die so viel Strom wie Tschechien exportieren. Denn es würde die Gefahr bestehen, dass "die Konsumenten teuren Strom bezahlen, der danach zu einem Ein-Drittel-Preis ins Ausland exportiert wird", meinte der Experte.

Temelin-Ausbau umstritten

Tschechien hält an dem in Österreich äußert umstrittenen Ausbau der Atomkraftwerke Temelin und Dukovany fest. Für den Temelin-Ausbau könnte es bereits 2015 ein neues Ausschreibungsverfahren geben, heißt es in Prag. Im April hatte die CEZ eine Ausschreibung für die Errichtung eines dritten und vierten Reaktors in Temelin gestoppt, nachdem sich gezeigt hatte, dass das Projekt wegen der niedrigen Strompreise ohne staatliche Unterstützung nicht rentabel wäre. Die tschechische Regierung hatte sich geweigert Garantien für die Abnahmepreise zu gewähren. (APA, 9.10.2014)

Share if you care.