Kobanê: IS-Jihadisten trotz Luftschlägen in der Offensive

9. Oktober 2014, 22:12
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Türkei schließt militärischen Alleingang aus, will aber Gespräche mit Partnern führen

Ankara/Kobanê - Die Jihadistengruppe "Islamischer Staat" (IS) drängt die Kurden in der Grenzstadt Kobanê immer weiter in die Enge. Trotz erbitterter Gegenwehr und US-Luftangriffen konnten die Jihadisten im Häuserkampf weitere Viertel der Stadt erobern. Am Donnerstag meldete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte, die IS kontrolliere bereits ein Drittel der Stadt.

Die türkische Regierung sprach sich dennoch gegen einen Alleingang mit Bodentruppen gegen die Extremisten im Nachbarland aus. Die syrische Regierung warnte die internationale Anti-IS-Koalition unterdessen vor der Einrichtung einer Pufferzone. Die EU beschloss weitere Maßnahmen, um potenzielle Jihadisten an der Ein- und Ausreise aus Europa zu hindern

US-Luftangriffe südlich von Kobanê

Die USA setzten ihre Luftschläge in Syrien mit Kampfjets, Bombern und Drohnen fort. Südlich von Kobanê wurden dabei ein IS-Ausbildungslager beschädigt und ein Gebäude sowie zwei Fahrzeuge zerstört, wie das US-Zentralkommando mitteilte. Zudem seien eine kleine und eine große IS-Einheit getroffen worden.

Dass der Kampf um Kobanê für die USA jedoch nicht oberste Priorität hat, ließ zuletzt die Sprecherin im US-Außenministerium, Jen Psaki, durchblicken. Es werde noch andere Dörfer und Städte in Syrien geben, die ebenfalls bedroht würden, sagte sie am Mittwoch. "Wir müssen uns hier auf unsere strategischen Komponenten konzentrieren - das sind Kommando- und Kontrollzentren, das sind Ölraffinerien", so Psaki. Pentagon-Sprecher John Kirby versicherte jedoch: "Wir tun aus der Luft alles, was wir können." Luftangriffe allein würden Kobanê aber nicht retten können, räumte auch er ein.

NATO-Chef zu Gesprächen in Türkei

Die Türkei, die an ihrer Südgrenze Panzerverbände in Schuss- und Sichtweite von Kobanê stationiert hat, ist trotz des drohenden Falls der Stadt nicht bereit, allein gegen die Terroristen vorzugehen. "Dass nur die Türkei ganz alleine eine Bodenoperation unternimmt, ist kein realistischer Ansatz", sagte Außenminister Mevlüt Cavusoglu nach einem Treffen mit dem neuen NATO- Generalsekretär Jens Stoltenberg am Donnerstag in Ankara. Das internationale Bündnis gegen die IS müsse sich auf eine gemeinsame Strategie einigen.

Stoltenberg sagte, die Türkei sei ein wichtiger NATO-Partner. Die IS sei nicht nur eine Bedrohung für Syrien und den Irak, sondern auch für NATO-Staaten. "Die NATO steht bereit, alle Alliierten dabei zu unterstützen, ihre Sicherheit zu verteidigen." Er verwies dabei auf die Patriot-Raketen in der Türkei zum Schutz gegen Angriffe aus Syrien. Anschließend stand auch ein Gespräch mit dem türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan auf dem Programm, Einzelheiten wurden jedoch nicht bekannt.

Türkischer Außenminister weist Vorwürfe zurück

Cavusoglu wies Vorwürfe zurück, die Türkei engagiere sich nicht genug im Kampf gegen die IS. "Wir sind nie zurückhaltend gewesen", sagte er. Er erneuerte die Forderung nach einer Schutz- und einer Flugverbotszone in Syrien. Stoltenberg sagte, die Errichtung solcher Zonen werde in der NATO derzeit nicht diskutiert.

Teil der internationalen Strategie gegen die IS müsse der Sturz des syrischen Machthabers Bashar al-Assad sein, erklärte Cavusoglu. Solange das Assad-Regime an der Macht sei, würden Blutvergießen und Massaker in Syrien andauern. Bei Protesten von Kurden in der Türkei gegen die abwartende Haltung der Regierung starben seit Dienstag nach neuen Angaben mindestens 24 Menschen.

US-Generalstabschef lädt zu Gesprächen

Die Militärchefs der Anti-IS-Koalition wollen nun bei einem Treffen auf höchster Ebene am Montag und Dienstag über ihre Strategie im Irak und in Syrien diskutieren. Dazu habe US-Generalstabschef Martin Dempsey mehr als 20 seiner Kollegen eingeladen, sagte ein Angehöriger des US-Militärs. Um den Fall Kobanês damit zu verhindern, könnte es jedoch schon zu spät sein.

Die syrische Regierung wandte sich gegen die Einrichtung einer Pufferzone. der stellvertretende Außenminister Faisal al-Mekdad kritisierte nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur SANA vor allem Frankreich, nachdem dieses die türkische Idee unterstützt hatte. Syrien wertet das nach SANA-Angaben als Angriff auf seine Souveränität.

Kobanê ist die drittgrößte Kurdenstadt in Syrien. Mit einem Verlust der Stadt und der umliegenden Region könnten die syrischen Kurden ihre in den Wirren des Bürgerkriegs errungene Selbstverwaltung einbüßen. Die IS hätte dagegen mit der Eroberung der Stadt ein geschlossenes Gebiet entlang der türkischen Grenze unter ihrer Kontrolle. (APA/red, 9.10.2014)

  • Tele-Foto, von der Türkei aus aufgenommen: Über Teilen Kobanês weht die schwarze Flagge der IS.
    foto: reuters/umit bektas

    Tele-Foto, von der Türkei aus aufgenommen: Über Teilen Kobanês weht die schwarze Flagge der IS.

  • Diese Panzer bleiben vorerst auf der türkischen Seite der Grenze stehen.
    foto: reuters/umit bektas

    Diese Panzer bleiben vorerst auf der türkischen Seite der Grenze stehen.

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