Studie: Neuroleptika wirken bei Schwangeren schwächer

9. Oktober 2014, 10:40
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Wie bei Antidepressiva wird auch die Wirkung von Neuroleptika in der Schwangerschaft geschwächt, zeigt eine Studie der Med-Uni Wien

Die neue Generation von Neuroleptika bei psychiatrischen Erkrankungen hat gegenüber älteren Medikamenten den Vorteil von weniger unerwünschten Nebenwirkungen. Eine Untersuchung zu deren Wirksamkeit bei schwangeren Frauen fand nun jedoch heraus, dass während der Schwangerschaft eine höhere Dosierung notwendig ist, um die gewünschte Wirkung aufrechtzuerhalten.

Geringere Nebenwirkungen

Die Studie, durchgeführt an der Universitätsklinik für Kinder- und Jugendheilkunde der Med-Uni Wien, untersuchte die pharmakologischen Veränderungen einer neuen Generation von Neuroleptika bei schwangeren Frauen. Bei Aripiprazol handelt es sich um ein "Second Generation Neuroleptikum". Dieser Wirkstoff wird bei bipolaren Störungen, Psychosen oder Schizophrenie verschrieben und reduziert zum Beispiel Wahnvorstellungen. Er hat gegenüber älteren Medikamenten den Vorteil von geringeren Nebenwirkungen. Die Wirkung von Aripiprazol bei schwangeren Frauen wurde nun erstmals untersucht.

Rund ein Prozent aller schwangeren Frauen werden aufgrund von psychiatrischen Erkrankungen mit Neuroleptika behandelt. Um Risiken für das ungeborene Kind bei der Schwangerschaft zu vermeiden, ist es häufig klinisch Praxis, die Dosierung von Neuroleptika zu reduzieren. Doch dadurch entsteht das Risiko, dass der Spiegel des Medikamentes unter den Wirkungsbereich fällt.

Frauen mit psychotischen Erkrankungen sind ohne Behandlung Stress ausgesetzt, der ihnen und in Folge auch dem Kind schaden kann. Hier gilt es Rückfälle der Erkrankung (unbehandelt kommt dazu in bis zu 70 Prozent der Fälle) sowie damit häufig verbundenen Drogen- und Alkoholmissbrauch und ein erhöhtes Suizidrisiko zu vermeiden.

Abgeschwächte Wirkung

Die Studie untersuchte den Spiegel der Substanz im Blutplasma und im Nabelschnurblut bei drei schwangeren Frauen. Dabei stellte sich heraus, dass diese aufgrund der physiologischen Veränderungen ab der Mitte der Schwangerschaft unter die Wirksamkeitsgrenze absanken. "Diese Studie zeigt erstmals, dass die Dynamik des Plasmaspiegels jenem von anderen Substanzklassen wie zum Beispiel Antidepressiva entspricht", erklärt Studienleiterin Claudia Klier. Auch hier müsse häufig die Dosierung erhöht werden, um wieder über die Wirksamkeitsgrenze zu kommen.

Die Studie hat bei der Internationalen Tagung der Gesellschaft für peripartale Psychiatrie in Swansea deshalb Aufsehen erregt, da dieser Zusammenhang bisher bei keinem Neuroleptikum untersucht wurde, jedoch klinisch höchst relevant ist. Auch die Übergangsrate der Substanz durch die Plazenta wurde hier erstmals untersucht. Diese sehr aufwendigen Untersuchungen wurden bisher nicht durchgeführt. Da man bei Schwangeren keine klinischen Prüfungen macht, können nur wenige Fälle herangezogen werden, bei denen die Untersuchungen aus klinischen Erwägungen gemacht werden.

Alle drei nun untersuchten Frauen brachten gesunde Kinder zur Welt. Es läuft derzeit die Sammlung von den dringend benötigten Daten bei Schwangeren zu dieser neuen Generation von Neurolpetika im Rahmen von Registerstudien, die für eine Nutzen/Risikoabwägung für die pharmakologische Behandlung Schwangerer unabdingbar sind. (red, derStandard.at, 9.10.2014)

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