Ebola: Hilferuf von Staatschefs von betroffenen Ländern

9. Oktober 2014, 15:28
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Weltbank-Chef: Kampf gegen Epidemie "kläglich gescheitert"

Freetown/Conakry/Monrovia - Die Staatschefs der drei am stärksten von der Ebola-Epidemie betroffenen westafrikanischen Länder haben einen eindringlichen Hilferuf an die Weltgemeinschaft gerichtet. "Diese Krankheit ist eine internationale Bedrohung und verdient eine internationale Antwort", forderte Guineas Präsident Alpha Conde am Rande der Herbsttagung von Internationalem Währungsfonds (IWF) und Weltbank in Washington.

Ähnlich äußerten sich die liberianische Präsidentin Ellen Johnson Sirleaf und Sierra Leones Staatschef Ernest Bai Koroma, die über Video zu dem ranghohen Treffen zugeschaltet waren.

Bessere Koordinierung

"Unsere Länder sind in einer sehr fragilen Situation", sagte Conde und verlangte eine bessere Koordinierung der Hilfsbemühungen. Koroma beklagte, dass das Engagement der internationalen Gemeinschaft derzeit noch hinter der Infektionsrate zurückbleibe. "Zusagen auf Papier sind gut. Aber Zusagen als fassbare Fakten vor Ort sind am besten", sagte er. Auch Sirleaf rief zu einem "rascheren und entschiedenerem" Vorgehen auf, um die Ebola-Epidemie einzudämmen.

UN-Generalsekretär Ban Ki Moon warnte bei dem Treffen, dass sich die Epidemie erst noch verschlimmern werde, ehe eine Besserung möglich sei. "Die Fälle steigen exponentiell an", sagte Ban. Der UN-Generalsekretär erklärte, dass die internationale Unterstützung für die betroffenen Länder "verzwanzigfacht" werden müsse. "Wie viel schlimmer es wird, hängt von uns ab."

"Kläglich gescheitert"

Die internationale Gemeinschaft ist nach Aussage des Weltbank-Präsidenten Jim Yong Kim in ihrem Kampf gegen das tödliche Ebola-Virus "kläglich gescheitert". Nachdem die Krise nun auch Spanien und die USA betreffe, sei die Wahrscheinlichkeit ziemlich hoch, dass das Virus auch andere europäische Länder erreiche, warnte Kim am Mittwochabend in einem Interview mit der britischen Zeitung "The Guardian".

Er wünsche sich die Unterstützung der westlichen Regierungen für einen neuen 20 Milliarden Dollar (15,7 Milliarden Euro) schweren Gesundheitsfonds für Notfälle. "Ebola war eine Bewährungsprobe und wir haben versagt. Wir sind mit unserer Reaktion kläglich gescheitert", zitierte das Blatt den Weltbank-Präsidenten in seiner Onlineausgabe.

3.900 Menschen gestorben

An der Ebola-Epidemie in Westafrika sind nach Angaben der Vereinten Nationen mittlerweile fast 3.900 Menschen gestorben. Insgesamt infizierten sich 8.033 Patienten mit dem gefährlichen Virus, wie die Weltgesundheitsorganisation (WHO) am Mittwoch bekannt gab. Ihm erlagen demnach 3.865 von ihnen, also beinahe die Hälfte.

Der UNO-Sonderbeauftragte Anthony Banbury sagte in der Hauptstadt von Guinea, Conakry, bei schnellem Handeln bestehe eine Chance, der Epidemie Herr zu werden. Die Frage sei, wie viele Menschen bis dahin sterben müssten. Banbury hatte zuvor Sierra Leone und Liberia besucht. (APA/dpa, 9.10.2014)

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