Weihnachten kommt immer früher

9. Oktober 2014, 05:30
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Der Schokoosterhase ist noch nicht lange aus den Supermarkt-Regalen verschwunden, da winkt schon der Weihnachtsmann

Und da tummeln sie sich schon wieder. Es ist gefühltermaßen noch nicht lange her, da wanderten die übriggebliebenen Schokoosterhasen und -häsinnen in den Rabattkorb, und die "ungelegten Eier" wurden zum Schleuderpreis verramscht.

Doch wie jedes Jahr kommt gefühltermaßen nur wenig später bereits Stanniol-ummantelter Nachschub. Statt mit Langohren jetzt mit Weihnachtsmütze. Mitte September tauchte er auf, erst vereinzelt und noch verstohlen, mittlerweile kommt er in Scharen. Flankiert oft artgerecht von Engerln, Christstollen und Lametta. Lebkuchen schmeckt schon lange nicht mehr nur nach Weihnachten, denn für den Handel kann es gar nicht früh genug losgehen.

Fröhliche Glitzerzeit

Doch es ist nicht alles Gold, was glänzt. In Deutschland zumindest kommt dieser frühe Start für die Weihnachtsware nicht gut an. So ergab eine repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstitituts Yougov, dass sich eine satte Mehrheit der Bundesbürger, nämlich 63 Prozent, davon genervt fühlt. Fast jedem Zweiten (47 Prozent) verderben frühe Weihnachtsangebote die Vorfreude auf das Fest, wobei es hier ein starkes Altersgefälle gibt: Bei den 18- bis 24-Jährigen fühlen sich nur 33 Prozent beeinträchtigt. Bei den 45- bis 54-Jährigen ist der Anteil der Menschen, bei denen Vorfreude leidet, mit 56 Prozent am größten.

31 Prozent der Befragten befürworten gar ein gesetzliches Einschreiten gegen frühzeitige Weihnachtsangebote. Für Österreich gibt es eine derartige Umfrage nicht. Roman Seliger, stellvertretender Geschäftsführer Bundessparte Handel in der WKO hält jedoch fest, dass ein solches Verbot hierzulande auch verfassungswidrig wäre: "Das wäre ein Eingriff in die Freiheit der unternehmerischen Erwerbstätigkeit." Und er fügt hinzu: "Besagte Studie zeigt aber auch, dass 59 Prozent der Deutschen strikt gegen ein solches Verbot sind."

Doch wo die Nachfrage, da auch das Angebot. Dazu zählt auch der Zeitpunkt, wann der Handel zum Abverkauf bläst. Seliger: "Seit dem Wettbewerbsderegulierungsgesetz aus dem Jahr 1992 kann jedes Geschäft selbst bestimmen, wann dafür der günstigste Zeitpunkt ist." Dass sich Österreicher von verfrühter Weihnachtsware genervt fühlen, wäre ihm so noch nicht zu Ohren gekommen und meint schmunzelnd: "Das sind Sorgen auf hohem Niveau." (ch, derStandard.at, 9.10.2014)

  • Schaut ein bisserl grantig: der weihnachtsmann.
    foto: apa/sebastian kahner

    Schaut ein bisserl grantig: der weihnachtsmann.

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