Westwien: Höhenflug mit Hindernissen

8. Oktober 2014, 18:57
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Der Verein führt und freut sich aufs Derby, hat Probleme und Visionen - eine geeignete Spielstätte gehört dazu

Wien - Der Vereinsname passt derzeit wie die Faust aufs Auge, doch das tut nichts zur Sache. Westwien, Österreichs ehedem stärkster und international auffälligster Handballklub, erinnert an die gute, alte Zeit. Die Hietzinger, die mangels einer adäquaten Wiener Halle ihre Heimspiele in Niederösterreich, nämlich in der Südstadt, austragen, stehen nach sieben Runden der Meisterschaft an der Tabellenspitze. "Eine Momentaufnahme", sagt Manager Conny Wilczynski. Doch immerhin hat die SG Insignis Westwien, so der vollständige Name, bei einer knappen Niederlage (29:30 bei Meister Hard) sechs Siege zu Buche stehen.

Das Derby am Samstag (Südstadt, 19 Uhr) gegen die Fivers Margareten, die nur einen Zähler Rückstand aufweisen, wird kein Spiel wie jedes andere. Wilczynski erwartet "Emotion pur", hofft aber, dass diese Emotion "auf dem Spielfeld bleibt". Die Westwiener haben vor der Arbeit, die Margareten seit Jahren auch im Nachwuchsbereich leistet, großen Respekt. "Es ist gut, dass es in Wien zwei gute Handballvereine gibt", sagt Wilczynski. "Und die Stadt ist groß genug für beide." Der Osten, jetzt aus österreichischer Sicht, soll dem Westen mit den starken Vorarlberger Klubs Hard und Bregenz Paroli bieten.

Als Legionär bei den Füchsen Berlin hatte Wilczynski, der einmal gar Torschützenkönig der deutschen Liga war, etliche Erfolge gefeiert, ehe er vor drei Jahren zu Westwien zurückkehrte. Auch auf sein Drängen hin wurden die Nachwuchsteams wieder eingegliedert. "Ein Verein braucht eigenen Nachwuchs, sonst hat er auf Sicht keine Chance." Da traf er sich mit Ex-Teamchef Roland Marouschek und dem ehemaligen Westwien-Spieler Roman Frimmel, die gemeinsam jenes Juniorenteam aufgebaut hatten, das schließlich heuer bei der Heim-EM den guten sechsten Platz belegte. Marouschek gibt bei Westwien den Sportdirektor, Frimmel ist Co-Trainer des isländischen Westwien-Chefcoaches Erlingur Richardsson.

Ziel ist Nummer eins in Österreich

Vergangene Saison erreichte Westwien das Liga-Halbfinale, nun soll der nächste Schritt gesetzt werden. "Unser Ziel ist es, wieder die Nummer eins in Österreich zu werden", sagt Frimmel. Er spricht vom "legendären Westwien-Geist", von der "Westwien-Familie", aber auch von diversen Problemen, mit denen man zu tun habe. Das größte liegt wohl darin, dass eine echte Heimstätte fehlt. Das hat nicht nur mit den Spielen der ersten Mannschaft zu tun, sondern auch mit den Jugendlichen, denen ein Treffpunkt abgeht. "Eine Heimstätte schafft Identifikation." Derzeit trainieren die diversen Westwien-Teams in sieben Hallen, die über ganz Wien verstreut sind.

Und die Südstadt? "Ist eine feine Matchhalle", sagt Manager Wil-czynski, "hat mit uns aber nicht viel zu tun." Die Geschäftsstelle des Klubs liegt nach wie vor in Hietzing, 80 Prozent des Nachwuchses stammen aus dem Westen Wiens, wo mit diversen Schulen kooperiert wird. Wilczynski sagt, eine neue Halle sei seine "größte Vision. Daran arbeiten wir. Und Wien braucht ja eine gute, neue Halle."

Roman Frimmel (44), der Co-Trainer, war Teil der Mannschaft unter Coach Vinko Kandija, die Anfang der 90er dreimal Meister war und in der Champions League mit Heimsiegen über den späteren CL-Sieger Santander und Wallau-Massenheim für Furore sorgte - übrigens ebenfalls in der Südstadt, da die Halle in der Altgasse alles, nur nicht Europacup-tauglich war. Nun sitzt Roman auf der Bank und sieht zu, wie sein Sohn Sebastian (18) für Westwien spielt und trifft, 14-mal etwa gegen Linz. Dabei geht es erst in zweiter Linie um Tore und Titel, sagt Roman Frimmel. "In erster Linie geht's darum, dass junge Menschen begeistert und in ihrer Freizeit sinnvoll beschäftigt sind." (Fritz Neumann, DER STANDARD, 9.10.2014)

  • Sebastian, 18, hier im Nachwuchs-Nationalteam, macht dem Namen Frimmel bei Westwien alle Ehre.
    foto: epa/pucher

    Sebastian, 18, hier im Nachwuchs-Nationalteam, macht dem Namen Frimmel bei Westwien alle Ehre.

  • Man weiß das Derby zu inszenieren: Per Plakat...
    foto: westwien

    Man weiß das Derby zu inszenieren: Per Plakat...

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