Ex-CIA-Direktor Panetta rechnet mit Obama ab

8. Oktober 2014, 18:16
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Der frühere US-Verteidigungsminister wirft dem Präsidenten schwere außenpolitische Fehler vor

Im Kabinett Barack Obamas war Leon Panetta die personifizierte Loyalität, erst als CIA-Direktor, später als Chef des Pentagon. Als er seinen Hut nahm, sprach er gelassen wie ein zufriedener Rentner von der Pflege der Walnussbäume daheim in Kalifornien, der er sich nun widmen wolle.

20 Monate nach seinem Abschied hat er sich mit einem Paukenschlag zurückgemeldet. Seine Memoiren werfen ein grelles Licht auf das Innenleben des Weißen Hauses, an dessen Spitze ein Präsident steht, der nach Panettas Charakterstudie zu selten in den Ring steigt, um zu kämpfen.

Obama besitze eine überragende Intelligenz, schreibt der 76-Jährige. "Aber manchmal fehlt ihm das Feuer", zu oft baue er auf die Logik eines Rechtsprofessors statt auf die Leidenschaft eines Anführers. Wer immer cool bleibe, nehme seiner Rhetorik das Aufrüttelnde, mit dem man Menschen zum Handeln anstacheln könne. US-Präsidenten aber seien immer dann erfolgreich gewesen, wenn sie versuchten, andere voller Leidenschaft zu überzeugen.

Es sind vor allem die Entwicklungen im Nahen Osten, die Panetta zutiefst frustrieren. Im Irak, schreibt er, hätte sich Obama stärker ins Zeug legen müssen, dann wäre auch nach dem Rückzug 2011 ein Restkontingent von GIs im Zweistromland verblieben. Er hätte härter verhandeln müssen, statt einfach hinzunehmen, dass der irakische Premier Nuri al-Maliki eine weitere Stationierung an die Zustimmung des Parlaments in Bagdad knüpfte. In Washington habe man genau gewusst, dass die schiitischen Abgeordneten niemals grünes Licht geben würden. Das Weiße Haus aber wollte den Irak nur noch "loswerden".

"Schwerer Fehler"

Mit Blick auf Syrien beging der Präsident nach den Worten Panettas einen schweren Fehler, als er nach einem Chemiewaffenangriff auf einen Vorort von Damaskus eine Militäraktion gegen die Regierung Bashar al-Assads ankündigte, um kurz darauf einen Rückzieher zu machen. "Das Resultat war ein Schlag gegen unsere Glaubwürdigkeit."

Es fällt auf, in welcher Dichte eine Abrechnung mit dem unpopulär gewordenen Hoffnungsträger der anderen folgt. Es ist bereits das dritte Mal in diesem Jahr, dass ausgeschiedene Kabinettsmitglieder den Stab über Obama brechen. Alles in allem liest sich Panettas Buch wie eine Steilvorlage für eine Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton, die 2016, falls sie denn antritt, die Renaissance amerikanischer Führungsstärke beschwören dürfte. (Frank Herrmann aus Washington, DER STANDARD, 9.10.2014)

  • Leon Panetta hat für Präsident Obama nicht viel des Lobes übrig.
    foto: ap/monsivais

    Leon Panetta hat für Präsident Obama nicht viel des Lobes übrig.

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