Aus für militärische Reiterei

8. Oktober 2014, 19:18
158 Postings

Die letzten Überreste der in Jahrhunderten bewährten, aber doch etwas überholten Waffengattung Kavallerie werden sportlichen Fähnrichen unter dem Sattel weggezogen

Wien - Mit dem Ende des Militärrealgymnasiums, das - schon vor dem dafür notwendigen Ministerratsbeschluss - beschlossene Sache sein dürfte, kommt auch das Ende der letzten Reste der österreichischen Kavallerie. Tatsächlich sind berittene Truppen im Lauf des 20. Jahrhunderts üblicherweise in Panzerverbände umgewandelt worden - viele US-Panzereinheiten berufen sich auf ihren Ursprung in der hierzulande aus Wildwestfilmen bekannten Cavalry, und auch der von Steyr entwickelte leichte Panzer ist nach den berittenen Ulanen benannt.

Mädchen reiten gerne

In Wiener Neustadt allerdings hat sich die Tradition des Reitens erhalten - Fähnriche an der Militärakademie und Schüler am Militärrealgymnasium können als "Wahlsport" Reitunterricht nehmen. Dem Vernehmen nach drängen vor allem junge Mädchen in das Realgymnasium, um sich in der Freizeit ausgiebig dem Reitsport widmen zu können.

Wenn es aber in Wiener Neustadt keine reitenden Schülerinnen und Schüler mehr gibt, dann wird auch der Wahlsport Reiten für die in Offiziersausbildung befindlichen Fähnriche eingestellt werden, heißt es im Ministerium. Für 25 Fähnriche, die jährlich aufgenommen werden, werde man nicht den Reitausbildungszug mit 15 Sportpferden weiter betreiben.

Dabei haben die Pferde in den vergangenen Jahren durchaus noch manchmal im Einsatz gedient: Berittene Aufklärer haben sich etwa bei der Grenzüberwachung als effizient erwiesen - sonst aber ist die Reiterei mehr Traditionspflege.

Unberührt von den Sparplänen bleibt die Hochgebirgstruppe: In Hochfilzen werden weiterhin Haflinger als Tragtiere ausgebildet und eingesetzt.

Matura auch für frische Miltärgymnasiasten

Und auch für die Schüler am Militärgymnasium gibt es eine gute Nachricht: Nach der Ankündigung von Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ), im Rahmen des Strukturpakets das Militärrealgymnasium in Wiener Neustadt nur noch zwei Jahre lang zu führen, ist nun der Schulbetrieb darüber hinaus sichergestellt worden. Der niederösterreichische Landesschulrat kam zum Ergebnis, dass alle Schüler – inklusive jener, die erst heuer begonnen haben – ihre Ausbildung regulär mit Matura abschließen können.
Die Behörde berief sich dabei auf das Schulunterrichtsgesetz. Dieses besagt, dass alle Schüler, die an einer Schule aufgenommen wurden auch das Recht haben, die letzte Schulstufe im Klassenverband zu beenden. ÖVP-Klubobmann Klaus Schneeberger hatte im Auftrag von Landeshauptmann Erwin Pröll (ÖVP) den Landesschulrat mit einer rechtlichen Prüfung des Sachverhalts beauftragt.

Das bedeutet andererseits, dass das Bundesheer weniger einsparen kann als geplant - ohne dass diejenigen, die politisch interveniert haben, dafür finanzielle Verantwortung tragen müssen.

Auch für die hochspezialisierte Schule für Luftfahrttechnik in Langenlebarn, aus der sich das Bundesheer zurückziehen will, wird eine Lösung gesucht - hier geht es um einen langfristigen Weiterbestand.

Sondersitzung im Parlament

In der Koalition wird unterdessen über das Sparpaket verhandelt, das erste Treffen der Arbeitsgruppe soll Mittwoch in gutem Klima verlaufen sein, in vier Wochen sollen Ergebnisse vorliegen. So lange will man in der FPÖ allerdings nicht warten: Die Freiheitlichen haben einen Antrag auf Einberufung einer Nationalrats-Sondersitzung zum Thema zum Thema "Das Bundesheer-Destaster gefährdet Österreichs Neutralität und Katastrophenschutz" eingebracht. Die Sitzung wird wohl Mitte nächster Woche stattfinden.(Conrad Seidl, DER STANDARD, 9.10.2014)

Share if you care.