Die AUA bleibt auf unsicherem Kurs

Kommentar8. Oktober 2014, 17:58
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Auch mit dem neuen Kollektivvertrag ist die Airline nicht gegen Krisen gewappnet

Jahrelang haben sie gestritten, einander mit Worten und Klagen bekämpft. Doch dann haben sie sich zusammengesetzt, jeder hat etwas nachgegeben, und das Ergebnis ist eine Friedenslösung, mit der beide Seiten leben können – ein typisch österreichisches Happy End für die AUA?

Schön wär's. Dass eine Einigung auf den neuen Kollektivvertrag noch scheitert, ist zwar unwahrscheinlich – zu viel hätten Management und Betriebsrat bzw. die Gewerkschaft dabei zu verlieren –, aber die rot-weiß-rote Lufthansa-Tochter ist mit diesem Kompromiss sicher nicht aus allen Turbulenzen heraus.

Die genauen Details sind unter Verschluss. Aber eines ist klar: Die Personalkosten der AUA werden zwar niedriger sein als unter dem alten Kollektivvertrag, aber deutlich höher, als das Management einst durch dessen Kündigung angepeilt hatte – und mehr als etwa beim lokalen Konkurrenten Niki. Dank zweier für sie vorteilhafter Gerichtsentscheidungen saßen die Arbeitnehmer, allen voran die Piloten, bei den Verhandlungen am längeren Ast. Denn die österreichischen und europäischen Richter haben klargestellt, dass die AUA aus ihren alten Verpflichtungen nicht so leicht herauskommt, wie es sich ihr Vorstandschef Jaan Albrecht vorgestellt hatte.

Aus Sicht der Rechtsicherheit waren diese Urteile zu begrüßen, aus wirtschaftlicher Sicht nicht. Denn die Welt der Luftfahrt wandelt sich so rasch, dass die alten AUA-Pilotenverträge wie Relikte aus einer anderen Ära wirken. Netzwerkfluglinien mit volatilen Märkten sind heute kaum noch profitabel zu führen. Die Kunden schätzen zwar den guten Service und bequeme Verbindungen, sind aber nicht bereit, dafür mehr zu bezahlen. Auf jeder Buchungswebseite werden sie von Billigairlines mit niedrigeren Personalkosten unterboten. Ein paar Ausfälle in Osteuropa und Nahost – und schon fliegt die AUA mit ihren hohen Fixkosten in die Verlustzone.

Vor fünf Jahren wurde die AUA von der damals noch potenten Lufthansa gerettet. Doch seither ist auch die Mutter ins Trudeln geraten. Staatliche Fluglinien aus der Golfregion, die aus politischem Kalkül betrieben werden, bedrängen sie im einst so profitablen Langstreckengeschäft.

Amerikanische Fluglinien sind ihrer Kostenfalle durch Insolvenz entkommen. Doch das europäische Recht kennt kein "Chapter 11"; Konkurs und Neugründung hätten die AUA nicht nur ihre Flugrechte gekostet, sondern auch zahlreiche Kunden vertrieben. Der Betriebsübergang zur Tyrolean war eine Notlösung, die sich rückblickend als Sackgasse erwiesen hat. Als letzte Hoffnung blieb der AUA die Einsicht des Betriebsrates, dass er seine goldene Gans nicht schlachten darf.

Ob die Zugeständnisse der Belegschaft groß genug waren, um die AUA wettbewerbsfähig zu halten, wird man erst später wissen. Dass die Fluglinie wieder in ihre alternde Flotte investieren kann, ist jedenfalls ein gutes Zeichen. Denn am Markt kann die AUA nur mit Qualität bestehen, und der Standort Wien braucht ein Streckennetz, das über das einer reinen Lufthansa-Regionaltochter hinausgeht.

Aber den Satz: "Die AUA ist saniert" hat man schon zu oft gehört. Sobald die nächste Krise eintrifft, stellt sich erneut die Frage, ob Europas kleinere Altfluglinien eine Zukunft haben. Hilfe kann die AUA weder von der Lufthansa noch vom Steuerzahler erwarten. Früher oder später werden sich ihr Vorstand und ihr Betriebsrat wieder am Verhandlungstisch treffen. (Eric Frey, DER STANDARD, 9.10.2014)

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