Schlechte Bücher, schlechte Laune

8. Oktober 2014, 17:39
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Die Finnen und wir: Frankfurter Buchmesse, Tag zwei

"Wäre dieses Buch ein Pferd, man müsste es erschießen", meinte Denis Scheck, der gern den Rambo der deutschen Literaturkritik gibt, einst in seiner TV-Sendung. Michael Herl sieht das in einem Gastkommentar für die Frankfurter Rundschau ähnlich, legt den Befund aber auf die ganze Messe um. "Bücher zu Wurstwaren", fordert der Autor und Theatermacher, die meisten in die Messehallen der Buchmesse gestopften Printprodukte - Stichwort Content - würden die Bezeichnung "Buch" nicht verdienen. Ganz im Gegenteil, es handle sich um "elendigen Schund".

Doch es besteht Hoffnung, denn unter das Messepublikum, in dem das Outfit "smarter Businessman" den Look "verwegen für Angepasste" langsam abzulösen beginnt, mischen sich heuer vermehrt sympathisch verschlossene Figuren. Es handelt sich um Finnen und Finninnen, die hier ihren Gastlandauftritt begießen. Wobei, wie der deutsche Autor und Übersetzer Roman Schatz sagt, das Klischee "schweigsam, besoffen, Rallyefahrer" gar nicht stimme. Schatz muss es wissen, schließlich lebt er seit 28 Jahren als Opfer "der hormonellen Migration" (zwei Kinder) in Helsinki. Er rät, sich auch von der finnischen Sprache nicht abschrecken zu lassen, obwohl sie geschrieben aussehe, als hätte sich ein Kind auf die Tastatur eines Computers gesetzt. Wie man aus den Taunus-Thermen hört, wurden dort schon finnische Autoren gesichtet, die zwecks Beseitigung der Sprachbarrieren "literarische Aufgüsse" verabreichen.

Mit Österreich ist ein weiteres exotisches Land auf der Buchmesse angekommen. Ein Verlassen der Komfortzone Österreich konstatierte Benedikt Föger, Präsident des Hauptverbands des österreichischen Buchhandels, bei der Eröffnung des Gemeinschaftsstandes. Auch Bundesminister Josef Ostermayer sprach. Ein deutscher Kollege raunte: "Der ist aber jung." Er sollte erst unseren Außenminister sehen, denkt man sich. (Stefan Gmünder, DER STANDARD, 9.10.2014)

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