Gutachter: Hypo-Eigenkapital unter Wasser

8. Oktober 2014, 17:40
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Aus dem KPMG-Gutachten zur Hypo erschließt sich, dass die Bank 2008 und 2009 immer unter der gesetzlichen Eigenmittelgrenze lag

Wien - Am 25. November geht in München das Gerichtsverfahren zwischen BayernLB und Hypo Alpe Adria weiter. Deren Ex-Mehrheitsaktionärin hat auf Rückzahlung von Krediten geklagt. Die Österreicher verweigern selbige, sind sie doch der Ansicht, die Hypo sei zur Zeit der Geldflüsse in der Krise gewesen. Laut Gesetz können Eigentümer ihre Darlehen an Gesellschaften, die in Krisen stecken, nicht einfordern, solange keine Genesung eintritt.

Nun prüfen die Österreicher, ob die Hypo damals nicht längst auch überschuldet war. Basis für diese Überlegung ist das jüngste Gutachten von Wirtschaftsprüfer KPMG, das sich wiederum auf die Expertisen von AKKT und Fritz Kleiner stützt. Sie kommen zum Schluss, die Hypo habe um rund drei Milliarden Euro zu wenig wertberichtigt, DER STANDARD hat in seiner Mittwochausgabe berichtet.

Problemfelder

Die BayernLB legt in dem Zusammenhang Wert auf die Feststellung, dass nicht sie für die Bilanzierung der Hypo Alpe Adria verantwortlich war, sondern allein die Organe und Wirtschaftsprüfer der Hypo. Etwaige rechtliche Schritte könnten daher auch nur die für die Bilanzierung Verantwortlichen bei der Hypo treffen. Darüber hinaus sei die Bilanz 2009 bereits unter alleiniger Eigentümerschaft der Republik Österreich erstellt worden. (Die Hypo musste ja im Dezember 2009 verstaatlicht werden.)

Die drei Gutachter haben allerdings auch in den Bilanzen 2007 und 2008 Problemfelder ausgemacht. Kleiner wie berichtet bei den Leasinggesellschaften, die AKKT bei Krediten. Sie hat 21 Kreditfälle in Südosteuropa untersucht und kommt zum Schluss, dass die Hypo die Risikovorsorgen um rund 520 Millionen Euro (2007) beziehungsweise 699 Millionen Euro (2008) zu niedrig angesetzt habe. Fürs Jahr 2009 hat die Linzer Kanzlei die Forderungen der Bank aus 15 Krediten analysiert und einen zusätzlichen Einzelwertberichtigungsbedarf von 375 Millionen Euro errechnet.

Immer Krise, keine Erholung

Um die Eigenkapitalfrage, die sich aus diesen Zahlen ableitet, hat sich im Auftrag der Staatsbank die KPMG gekümmert. Sie kommt in ihrer "Stellungnahme zur Neuberechnung der Eigenmittel" der Hypo für 2008 und 2009 zum Ergebnis, das Kernkapital wäre in dieser Zeit durchgängig "negativ" gewesen. Dies würde "einer Überschuldung im Sinne des Gesetzes (Eigenkapitalersatzgesetz, Anm.) entsprechen". Unterlagen, wonach sich die Bank in der Zeit irgendwann einmal erholt hätte, habe man nicht.

Aus der KPMG-Aufstellung zu den Eigenmitteln erschließt sich, dass die Bank ab Jänner 2008 die im Bankwesengesetz vorgeschriebenen Mindesteigenmittelerfordernisse nicht ein Mal erfüllt hat.

Unterdeckung bis 18 Prozent

Im Jänner 2008 etwa meldete die Hypo Eigenmittel von rund 2,2 Milliarden an die Aufsicht. Den zusätzlichen Wertberichtigungsbedarf aus den Gutachten berücksichtigend kommt die KPMG auf ein negatives Eigenkapital von rund 451.000 Euro - was einer Unterdeckung von 10,77 Prozent entspricht. Im November 2008 war das Eigenkapital der Hypo laut KPMG-Berechnung mit fast 1,9 Milliarden Euro im Minus; um fast 18 Prozent unter der gesetzlichen Mindestgrenze.

Kurzer Blick zurück: Um diese Zeit hatte die Nationalbank das Institut als "not distressed" eingestuft, Ende 2008 bekam es 900 Millionen Euro Partizipationskapital vom Staat. Und wieder ein Jahr später war die Hypo verstaatlicht.

Ende 2009 war gemäß KPMG der Tiefststand beim Eigenkapital erreicht: Es klaffte ein Loch von 2,23 Milliarden Euro, die Hypo lag 21,5 Prozent unter der Untergrenze. (Renate Graber, DER STANDARD, 9.10.2014)

  • Die Gerichte werden sich noch länger mit der Hypo beschäftigten müssen.
    foto: apa/eggenberger

    Die Gerichte werden sich noch länger mit der Hypo beschäftigten müssen.

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