Die Entzauberung der gängigsten Klimakillerargumente

9. Oktober 2014, 14:00
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Der "Faktencheck Energiewende" überprüfte die üblichen Einwände gegen ambitionierten Klimaschutz

Wien - Es sind immer wieder die gleichen stereotypen Argumente, die gegen die Energiewende ins Feld geführt werden. Wie etwa: Es drohe eine Deindustrialisierung Europas durch Klimaschutz und Ausbau der erneuerbaren Energie. Oder: Die Energiewende sei ein Jobkiller. Oder: Klimaschutz könne man sich nicht leisten.

Derartige Klimakillerargumente werden vielfach verbreitet und gerade vor entscheidenden Energie- und/oder Klimaverhandlungen gezielt ins Treffen geführt.

Mythen unter der Lupe

Nur: Stimmen sie auch? Antworten gibt der "Faktencheck Energiewende" vom Klima- und Energiefonds sowie der Interessenvertretung Erneuerbare Energie Österreich, der diese Woche präsentiert wurde. Darin werden zehn derartige "Mythen" vom Strategieberater und Energieexperten Georg Günsberg einmal genauer unter die Lupe genommen.

Wie etwa das Argument, durch den Ausbau der Erneuerbaren seien die Energiekosten in die Höhe geschnellt, es drohe eine Abwanderung der Industrie. Wie sich zeigt, ist genau das Gegenteil der Fall: Die Stromkosten für die Industrie sind seit 2010 sogar deutlich gesunken - auch wenn man den Ökostrom-Finanzierungsbeitrag mitrechnet (siehe Grafik). Die sinkenden Strompreise wurden just durch den Ausbau der Erneuerbaren in Deutschland ausgelöst - der eine Absenkung des EEX-Börsenpreises für Strom bewirkte.

Hohe Industriequote gehalten

Und: Staaten wie Deutschland und Österreich, die stark in Erneuerbare investieren, schaffen es sogar überdurchschnittlich gut, eine hohe Industriequote zu halten.

Nächster Mythos: Die Energiewende gefährde Wirtschaft und Beschäftigung? Laut einer Studie des deutschen Umweltministeriums hingen 2012 bereits 380.000 Arbeitsplätze direkt oder indirekt vom Ausbau der Erneuerbaren ab. Die Anzahl der Beschäftigten hat sich in diesem Bereich binnen zehn Jahren fast verdreifacht. Auch zeigt eine aktuelle TU-Studie, dass das österreichische Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2011 durch Investitionen in erneuerbare Energie um 1,6 Milliarden Euro gesteigert worden ist.

Fossile Energieträger als Risikofaktor

Ein weiterer Check: Ambitionierten Klimaschutz könne man sich nicht leisten? Wurde gerade vom aktuellen IPCC-Bericht widerlegt: Ambitionierter Klimaschutz verursacht im Vergleich zu den drohenden Klimawandel-Folgekosten sogar vergleichsweise geringe Kosten. Dreht man die Perspektive um, zeigt sich: Wenn das internationale Klimaschutzziel von einem maximalen Plus von zwei Grad erreicht ernsthaft werden soll, werden Investitionen in die Produktion fossiler Energieträger zunehmend zu einem finanziellen Risikofaktor.

Ein Indikator, dass dies auch vom Großkapital bereits so gesehen wird, ist übrigens der kürzlich verkündete Ausstieg der Rockefeller-Stiftung aus dem fossilen Geschäft - und die Umschichtung der Finanzmittel in erneuerbare Energieträger.

Interaktive Grafiken

Insgesamt zehn derartige, ausführlich ausgearbeitete Beispiele bietet der "Faktencheck Energiewende". Ihn gibt es in einer Lang- und einer Kurzversion, Letztere "im Westentaschenformat, das im Nahkampf mit Lobbyisten sehr hilfreich sein kann", wie es Klima- und Energiefonds-Geschäftsführer Ingmar Höbarth beschreibt. Sehr empfehlenswert ist auch die Homepage mit noch mehr und vor allem interaktiven Grafiken. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, 9.10.2014)

  • Ausgelöst wurden die niedrigen Strompreise nicht zuletzt vom ambitionierten Ausbau der erneuerbaren Energieträger in Deutschland.

    Ausgelöst wurden die niedrigen Strompreise nicht zuletzt vom ambitionierten Ausbau der erneuerbaren Energieträger in Deutschland.

  • Artikelbild
    foto: apa/dpa/roland weihrauch
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