Amazons E-Book-Flatrate: Erste Tests fällen vernichtendes Urteil

8. Oktober 2014, 14:45
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Der neu eingeführte Service "falle durch", so Vergleiche - soll zu wenig Bestseller und Klassiker bieten

Seit Dienstag bietet Amazon sein E-Book-Abo "Kindle Unlimited" im deutschsprachigen Raum an, der Onlinehändler wirbt mit dem Zugriff auf "650.000 Titel" für nur 9,99 Euro monatlich. Das klingt für viele E-Book-Fans verlockend, der Hype durch Flatrates in anderen Branchen wie Netflix (Video) oder Spotify (Musik) sorgt zusätzlich für Aufregung um Amazons neues Modell. Doch nicht bei allen stößt "Kindle Unlimited" auf Zustimmung, im Gegenteil: IG-Autoren-Sprecher Gerhard Ruiss nannte das Modell einen "Werbegag". Wer nicht Englisch könne, habe von dem Angebot nichts, so Ruiss in einer Aussendung.

Viele Titel fehlen

Auch die Städtischen Büchereien Wien, vom STANDARD bereits vor der offiziellen Ankündigung durch Amazon zu "Kindle Unlimited" befragt, halten das Angebot für "unvollständig und vergleichsweise teuer." Sie weisen darauf hin, dass große Verlage sich am Angebot nicht beteiligten, daher viele beliebte Titel fehlen.

"Harry Potter, sonst nichts"

Unabhängige Vergleiche, etwa von Spiegel Online, scheinen den Kritikern zumindest vorerst Recht zu geben: Bis auf die "Harry Potter"- und "Hunger Games"-Reihen sowie seichtere Literatur wie Hera Lind scheint "Kindle Unlimited" wenig herzugeben. Abgesehen von den Genannten fehlen acht der zehn in den Jahren 1994-2014 meistverkauften Bücher. Und auch populäre Romane und Klassiker fehlen laut Spiegel auf "Kindle Unlimited" gänzlich – egal, ob George Orwell, Haruki Murakami, Thomas Mann, Hemingway oder Grass.

Auch Konkurrenz nicht top

Besser schnitt hier Konkurrent Skoobe ab, der schon länger eine E-Book-Flatrate anbietet. Auf dem Service ist etwa Daniel Kehlmanns "Die Vermessung der Welt" oder Jonas Jonassons "Die Analphabetin, die rechnen konnte" erhältlich. Ein ähnliches Bild bietet sich bei den meistverkauften Sachbüchern, auch hier ist Skoobe mit zwei von zehn Titeln vor dem leer ausgehenden Amazon. Auch bei Hörbüchern ist die Situation trist.

Optik und Offlinemodus in Ordnung

Positiv hervorzuheben sind, so Spiegel Online, die optische Wiedergabe der E-Books und das Lesen im Offlinemodus. Beides ist bei Skoobe und Amazon gut gelöst. Insgesamt kann man sich bei "Kindle Unlimited" maximal zehn Bücher gleichzeitig ausborgen, über die man dann bis zum Ende des Abos verfügen kann. Bei Skoobe gibt es unterschiedliche Tarife, nach denen sich die Anzahl der ausleihbaren Bücher und deren Verfügbarkeit im Offline-Modus richten.

Deutschsprachiges Angebot limitiert

Skoobe schneidet also insgesamt ein etwas besseres Angebot, urteilt Spiegel Online – allerdings sind von den 74.000 Büchern auf Skoobe rund ein Drittel nur auf Englisch oder Spanisch zu lesen. Charlotte Roches "Feuchtgebiete" ist auf Skoobe etwa nur als "Furores intimos" verfügbar. Und bei Amazon, das mit 650.000 Titeln glänzt, ist das Angebot für nur des Deutschen Mächtig oder Willige um einiges eingeschränkt: Hier sind auch "nur" 40.000 deutschsprachige Titel abrufbar.

E-Book-Angebote von Büchereien

Vorerst lohnt es sich also, das E-Book-Angebot öffentlicher Büchereien, der Städtischen Büchereien Wien, genauer unter die Lupe zu nehmen: Dort sind etwa genauso viele E-Books verfügbar, eine Jahreskarte ist ab 23 Euro erhältlich. Alternativ gibt es die kostenlose E-Book-Flatrate "Readfy" - dort kriegen Nutzer allerdings ständig einen Werbebalken eingeblendet. (fsc, derStandard.at, 8.10.2014)

  • Mit Amazons "Kindle Unlimited" könnten Literaturliebhaber vorerst wohl unglücklich werden
    foto: reuters/snyder

    Mit Amazons "Kindle Unlimited" könnten Literaturliebhaber vorerst wohl unglücklich werden

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