Yline-Prozess: Böhm machte sich heute persönlich auf Zeugensuche

8. Oktober 2014, 13:45
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Ex-Aufsichtsrat: "Ich hatte kein gutes Gefühl."

Der 24. Verhandlungstag im Prozess um die Pleite des einstigen Internet-Stars Yline hat am Mittwochvormittag wenig neues zutage gefördert. Einmal mehr rächte sich die lange Verfahrensdauer von 13 Jahren, wodurch die beiden heute befragten Zeugen wenig verbindliches aussagen konnten.

Intransparenz

Ein ehemaliger Aufsichtsrat zeichnete eine Bild der Intransparenz im Yline-Konzern. Verträge seien nicht eingehalten und Aufsichtsratssitzungen nur mäßig vorbereitet gewesen. Angaben zum Geldbestand hätten sich als nicht richtig erwiesen. "Ich hatte kein gutes Gefühl", so der Zeuge vor leeren Rängen im großen Schwurgerichtssaal des Straflandesgerichts Wien.

Für Auflockerung im schleppenden Prozess sorgte lediglich ein kurzfristig verschollener Zeuge. Er wurde von Richterin Marion Hohenecker zuvor am Betreten des Schwurgerichtssaales gehindert, da sie noch in der Vernehmung des Ex-Aufsichtsrates war. Als der verhinderte Zeuge dann an der Reihe war, war er unauffindbar - bis sich der Hauptangeklagte Werner Böhm selbst auf die Suche begab und nach fünf Minuten fündig wurde.

Schaden

In dem Verfahren geht es unter anderem um den Vorwurf der Untreue, den zahlreichen Beschuldigten Ex-Manager, Aufsichtsräte und Wirtschaftsprüfer wird ein Schaden von 26 Mio. Euro vorgeworfen. Im Zuge der Yline-Pleite hatten die Anleger fast alles verloren. Der Öffentlichkeit wurde die Firma dadurch bekannt, dass das Tochterunternehmen firstInEx die mittlerweile legendäre Homepage des damaligen Finanzministers Karl-Heinz Grasser gestaltet hatte. Im Zuge der Ermittlungen gab es zahlreiche Pannen - wie zum Beispiel den Diebstahl von beschlagnahmten Laptops aus einem Polizeifahrzeug. Bis heute fehlen Ermittlungsakte. (AP, 8.10.2014)

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