Lobeshymnen vor dem NHL-Startbully

8. Oktober 2014, 11:20
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Liga-Boss-Bettman reibt sich angesichts von Rekordeinnahmen bereits vor Saisonstart die Hände: "Haben die beste Saison aller Zeiten hinter uns, und ich denke, die neue wird sogar noch besser"

New York - Mit einem frechen Titelverteidiger aus Los Angeles, haufenweise Herausforderern und jeder Menge positiver Stimmung startet die nordamerikanische Eishockey-Liga NHL am Mittwoch in ihre neue Saison. "Nie war das Spiel auf dem Eis spannender, unterhaltsamer und der Konkurrenzkampf härter", sagte Liga-Chef Gary Bettman. Und die kanadischen Fans hoffen einmal mehr auf ein Ende ihrer Leidenszeit.

Während die NBA noch an den Folgen des Donald-Sterling-Skandals laboriert und die NFL sich mit gewalttätigen Profis herumschlägt, konnte Bettman mit einem zufriedenen Lächeln einen Ausblick auf die neue Spielzeit wagen. "Wir haben die beste Saison aller Zeiten hinter uns, und ich denke, die neue wird sogar noch besser", meinte der US-Amerikaner angesichts von Rekordeinnahmen aus Eintrittsgeldern und TV-Verträgen. "Unsere Clubs waren noch nie stabiler und finanziell besser aufgestellt als heute", ergänzte er.

Kanada und die Titelflaute

Die Fans - vor allem jene im Eishockey-verrückten Kanada - tangiert dies allerdings weniger. Das Dauerbrenner-Thema ist auch vor der neuen Saison die Titelflaute Kanadas. Seit 1993 durfte kein Team aus dem zweitgrößten Land der Welt mehr den Stanley Cup in die Höhe stemmen, was für das mutmaßliche Mutterland des Scheibensports einer mittleren Katastrophe gleichkommt.

Die größten Hoffnungen dürfen sich wohl die Fans der Montreal Canadiens machen, die im Mai mit dem Steirer Thomas Vanek bis ins Finale der Eastern Conference vorgedrungen waren. Am heißesten ist der Hunger nach der begehrten Trophäe aber in Toronto: Zuletzt hatten die Maple Leafs 1967 die Meisterschaft gewonnen. Das ewig junge Duell zwischen Toronto und Montreal ist am Mittwoch übrigens das erste Spiel, das in der neuen Saison angepfiffen wird.

Heiße Eisen

Sich auf einen Titelkandidaten festzulegen, scheint mindestens so schwer wie das Wetter für das "Winter Classic" am 1. Jänner zwischen den Washington Capitals und den Chicago Blackhawks im Baseball-Stadion der US-Hauptstadt vorherzusagen. Die Wettbüros in Las Vegas sehen jedenfalls die "logischen Favoriten" Chicago, Los Angeles Kings und Boston Bruins vorne. Alle drei Teams standen seit 2010 jeweils zweimal im Finale. Chicago gewann 2010 und 2013, Boston 2011 und die Kings 2012 sowie in diesem Frühjahr. Keines dieser Teams konnte den Titel verteidigen - das ist seit den Detroit Red Wings 1998 keinem Champion mehr gelungen.

Dean Lombardi glaubt dennoch an eine weitere Meisterparade unter Palmen, der Kings-Manager fantasiert sogar von einer Eishockey-Dynastie in Los Angeles. "Es gibt nicht viele, die das schaffen. Aber wir wollen solch eine Dynastie werden", betonte Lombardi, der seinen Erfolgskader zusammengehalten und mit Stürmer Marian Gaborik den besten Torschützen der vergangenen der Play-offs für sieben Jahre gebunden hat. Doch auch Chicago-Manager Stan Bowman hat seine Arbeit in der "Off-season" nicht schleifen lassen: Die Verträge mit den Superstars Jonathan Toews und Patrick Kane wurden um acht Jahre und für je 84 Millionen Dollar bis 2023 verlängert.

Die zugkräftigsten Namen der Liga heißen unverändert Sidney Crosby (Pittsburg Penguins) und Alexander Owetschkin (Washington). Die Ausnahmekönner stehen aber zunehmend unter dem Druck, nicht nur durch hervorragende Einzelleistungen aufzufallen, sondern ihre Teams zum Titel zu führen. Bei beiden Clubs wurde im Sommer ein mehr oder minder großer Umbruch vollzogen. Trainer, General Manager, Spieler - auf allen Positionen wurden neue Leute geholt.

21. NHL-Saison für Jagr

Bereits alles erlebt in der besten Eishockey-Liga der Welt hat Jaromir Jagr. Der 42-jährige Tscheche in Diensten der New Jersey Devils debütierte 1990 und geht in seine 21. NHL-Saison. In der ewigen Torjägerliste ist Jagr Siebenter, bis zu Marcel Dionne auf Platz vier fehlen ihm 26 Treffer. Die sind selbst für einen Jagr im Spätherbst der Karriere noch möglich - in der Vorsaison traf er immerhin 24 Mal.

Für die drei österreichischen NHL-Legionäre muss das oberste Ziel zunächst einmal Play-off-Teilnahme lauten. Neben Vanek, der sich im Sommer Minnesota Wild anschloss, begeben sich auch Michael Grabner mit den New York Islanders und Michael Raffl mit den Philadelphia Flyers auf Tore-Jagd. (APA/Reuters, 8.10.2014)

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  • Die drei Österreicher in der NHL.
    grafik: apa

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  • Der LA-Kings-Champions-Ring als Lohn für die Strapazen in der vergangenen Saison.
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  • Die Saison hebt mit dem Klassiker Toronto vs. Montreal an.
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