Mehr Arbeit, weniger Geld

7. Oktober 2014, 23:14
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Die Verhandlungspartner haben sich nach jahrelangem Streit auf die Rahmenbedingungen für einen neuen Kollektivvertrag geeinigt

Wien - Der jahrelange Streit bei der AUA ist beendet. Die AUA und die Verkehrsgewerkschaft Vida haben sich nun auch offiziell auf die Eckpunkte für einen neuen Kollektivvertrag (KV) für die rund 3.200 Piloten und Flugbegleiter bei Austrian und der Tochter Tyrolean geeinigt. Die AUA-Mutter Lufthansa soll über Eckpunkte und Zielsetzung des neuen Vertragswerks bereits am Montagabend informiert worden sein. Details müssen allerdings erst fixiert werden. "Erst in den nächsten Tagen wird der Kollektivvertrag zur Gänze getextet", sagte AUA-Chef Jaan Albrecht am Mittwoch.

Die AUA hofft, dass der neue Kollektivvertrag bis Monatsende im Detail fixiert wird und ab 1. Dezember für die 3.200 Piloten und Flugbegleiter gilt. Darin werden Gehälter, Pensionen, Arbeitszeiten, Karriereentwicklung und Produktivität geregelt.

Mehr Arbeit für weniger Geld

Grundsätzlich wird die Überführung des fliegenden AUA-Personals in die Tochter Tyrolean rückgängig gemacht, ab 1. März 2015 wird das Bordpersonal wieder zur AUA gehören. Der neue Kollektivvertrag bedeutet laut Albrecht im Vergleich zum alten AUA-Gehaltsschema "mehr Arbeit für weniger Geld", werde aber immer noch über den Bedingungen bei Konkurrent Niki (Flyniki) liegen. Betroffen ist das fliegende Personal sowohl von AUA als auch von Tyrolean. Damit gelte künftig "One Austrian" und "Flown by Austrian and Operated by Austrian".

Ob auch das in Innsbruck beheimatete Technikpersonal und andere Tyrolean-Mitarbeiter in den Bundesländern gesellschaftsrechtlich in die AUA überführt werden, steht noch zur Diskussion: "Die Zukunft der Tyrolean, was der Name noch an Bedeutung haben wird, daran arbeiten wir noch", sagte Albrecht. Am Technikstandort Innsbruck gebe es aber keine Zweifel, dieser werde durch den Ankauf weiterer Dash-Flieger noch gestärkt.

Zur Nachzahlung verdonnert

Zur Annäherung gezwungen wurden die bis dahin heillos zerstrittenen Verhandlungspartner vom Europäischen Gerichtshof, der den eilig gekündigten alten KV wiederbelebt und die AUA zur Nachzahlung verdonnert hatte.

Die Vereinbarung ist ein wichtiger Schritt, um die AUA wieder in die Gewinnzone zu bringen. Die Lufthansa hatte das lange Zeit Verluste schreibende Unternehmen 2009 übernommen und ringt seither um Einsparungen bei der Belegschaft.

Die AUA soll nach dem neuen Konzept eine Qualitätsairline bleiben, Alternativkonzepte wie eine Schrumpfung des Unternehmens oder eine Umwandlung in eine Billigairline seien im Aufsichtsrat am Dienstagabend nicht mehr diskutiert worden, sagte Albrecht. Auch Konzernchef Carsten Spohr stehe voll dahinter, die AUA als Qualitätsairline am Drehkreuz Wien zu stärken.

Aufsichtsrat erleichtert

Die Stimmung im Aufsichtsrat sei sehr erleichtert gewesen, "es war mehr als deutlich wahrnehmbar, dass nicht nur uns ein Stein vom Herzen gefallen ist", sagte Klaus Froese, als Tyrolean-Geschäftsführer mit den Verhandlungen über den neuen Kollektivvertrag betraut.

Zu den Ausgleichszahlungen für entgangene Löhne der vergangenen zwei Jahre, die Mitarbeiter anlässlich der Überführung von Tyrolean in die AUA erhalten werden, hält sich die AUA-Führung noch bedeckt. Weder über die Anzahl der Betroffenen noch über die geplante Summe wollten Albrecht und Froese etwas sagen. Ansprüche würden aber nicht erst beim Verlassen der AUA entstehen. Es wird auch erst evaluiert, ob die Rückstellungen der AUA für die Abfertigung reichen werden. Frühestens bei Vorlage der Quartalszahlen in zwei Wochen werde es dazu Auskunft geben. Jedenfalls handle es sich um ein Volumen, das die AUA aus eigener Kraft stemmen wird können, sowohl bei der Liquidität als auch bilanziell. Die Unternehmensführung ist weiter überzeugt, dass die AUA heuer in den schwarzen Zahlen bleiben wird. (APA, red, derStandard.at, 8.10.2014)

  • Austrian-Chef Jaan Albrecht kann aufatmen.
    foto: ap/strauss

    Austrian-Chef Jaan Albrecht kann aufatmen.

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