Gemeinsame Schule macht ÖVP im Westen Sorgen

8. Oktober 2014, 17:26
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Ein Schulversuch für ganz Vorarlberg oder nur einen Teil? Schwarz-Grün will das 2015 klären, SPÖ und FPÖ sind empört

Bregenz/Salzburg - Die schwarz-grüne Vorarlberger Koalition legt im Arbeitsprogramm ein Grundbekenntnis zur gemeinsamen Schule ab. Ein "regionaler Schulversuch" gemeinsame Schule der 10- bis 14-Jährigen soll gestartet werden. Das löst in der Volkspartei Ängste aus.

ÖAAB-Lehrer starteten eine Unterschriftenaktion für das Gymnasium. Unterstützt werden sie dabei von der früheren Unterrichtsministerin Elisabeth Gehrer (ÖVP). Landeshauptmann Markus Wallner (ÖVP) kalmierte via ORF-Interview. Er sagte, er könne sich nicht vorstellen, das gesamte Bundesland von heute auf morgen umzustellen.

Die Größe der Schulversuchsregion sei noch nicht definiert, räumen die Grünen ein. "Es kann das gesamte Land sein oder ein Teil des Bundeslandes", sagte Grünen-Chef Johannes Rauch im Ö1-"Mittagsjournal" am Mittwoch. Sehr geeignet fände er das Rheintal. Dort lebt der Großteil der Vorarlberger.

Definieren wird man den Umfang des Schulversuchs 2015, wenn die Ergebnisse einer im Vorjahr beauftragten Studie vorliegen. Experten befassen sich mit rechtlichen, organisatorischen und pädagogischen Fragen der gemeinsamen Schule. Zudem wurden 19.500 Lehrer, Eltern und Schüler befragt.

FPÖ für gemeinsame Schule

Die Opposition ist empört. Gabi Sprickler-Faschlunger (SPÖ) spricht von einer Mogelpackung: Jeder, der mit der Materie befasst sei, verstehe unter "regionaler Schulversuch" das ganze Bundesland. Ein kleinräumiger Versuch sei sinnentleert.

Sogar FPÖ-Chef Dieter Egger, dessen Bundespartei gegen die Gesamtschule ist, bedauert, dass die Umsetzung der gemeinsamen Schule in Vorarlberg einmal mehr in weite Ferne gerückt sei. Das Problem der ungleichen Startbedingungen bleibe.

In Salzburg wird im Programm der schwarz-grünen Landesregierung ein Modellstandort für die gemeinsame Schule bis 14 angestrebt. Als Termin wurde das Schuljahr 2014/15 fixiert. Allein, geschehen ist bis dato nichts.

Man wolle noch die Evaluierung der Neuen Mittelschule abwarten, heißt es aus dem Büro von Landeshauptmann Wilfried Haslauer (ÖVP). Diese Evaluierung soll im Frühjahr 2015 vorliegen. Dazu komme, dass so ein Schulversuch nur mit Einverständnis der Schulstandorte starten könne. "Wir zwingen niemanden dazu", sagt ein Sprecher von Landesschulratspräsident Johannes Plötzeneder. Bisher habe kein einziger der möglichen Standorte Interesse an einem Schulversuch gezeigt.

Die Tiroler Version einer Modellregion wird seit Schulbeginn im Zillertal probiert. Beteiligt sind sieben Mittelschulen. Gymnasien mussten im Zillertal nicht zum Mitmachen überredet werden, die gibt es dort nicht.

Bundes-ÖVP sucht Linie

Eine Änderung des Schulorganisationsgesetzes - Schulversuche dürfen an einer Schule nur eingerichtet werden, wenn die Eltern sowie Lehrer zustimmen - könnte die Umsetzung des geplanten Schulversuchs in Vorarlberg erleichtern. Um eine entsprechende Novelle bemühte sich schon die ehemalige Unterrichtsministerin Claudia Schmied (SPÖ). Gefragt, ob sie einer einer entsprechenden Reform zustimmen würde, verwies ÖVP-Bildungssprecherin Brigitte Jank auf eine Arbeitsgruppe innerhalb der ÖVP, die derzeit zu diesem "hochsensiblen und wichtigen" Thema berate. Eine Linie werde momentan entwickelt. (burg, jub, neu, DER STANDARD, 9.10.2014)

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