Schöne Abreibung: Peelings für die Sommerhaut

16. Oktober 2014, 11:05
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Die Sommerhaut ist alt und grau geworden und muss weg - der Herbst ist eine gute Zeit für Peelings - ein Plädoyer für glatte Oberflächlichkeit

Der Herbst färbt nicht nur die Blätter bunt. Er ist auch ein Weißmacher. Die sorgsam, mit viel UV-Filter gebräunte Haut wird mit jedem Tag bleicher. Das ist eine überaus schmutzige Angelegenheit, und wer es nicht glaubt, soll einfach zwei Wochen lang seine Bettwäsche nicht wechseln. Wer dann das Leintuch abzieht (und ein bisschen zusammenknüllt), kann sehen, wie grau es ist. "Alles Hautschüppchen, die sich nachts am Stoff abschliffern", sagt die Dermatologin Julia Lämmerhirt unbeeindruckt, "sonst sieht man es halt einfach nur nicht."

Die Haut erneuert sich ständig. Keine einzige Hautzelle ist länger als vier Wochen am Körper und die fahlen, trockenen Hautpartien etwa ab den Schienbeinen seien der klar sichtbare Beweis, sagt Lämmerhirt: "Die Sonne trocknet die Haut zusätzlich aus, darüber freuen sich höchstens nur jene Menschen mit extrem fettiger Haut", sagt sie.

Alle anderen wollen die obersten Hautschichten eher schneller als langsam loswerden, damit die darunterliegenden neuen Hautzellen das Tageslicht erblicken können. Wer den natürlichen Prozess nicht abwarten will, kann nachhelfen.

Sauber & rosig

Das, was heute als Peeling oder Scrub bezeichnet wird, gibt es seit tausenden Jahren. Es ist eine Art Schälkur, bei der die Hautschichten an der Oberfläche abgerubbelt werden - mechanisch. Die alten Ägypter vermischten Öle mit Sand oder Salzkörnern und nutzten sie als Hilfsmittel, um sich die Haut abzureiben. In Hamams wird das immer noch gemacht - mit Luffaschwämmen und ähnlich kratzigen Fetzen. "Das regt zusätzlich auch die Durchblutung an, was der Haut dann ein rosiges Aussehen verleiht", erklärt die Hautärztin Julia Lämmerhirt, die Peelings und Scrubs in ihrer Wirkung immer auch mit Massagen vergleicht.

Dass elektrische Unterstützung hier gute Dienste erweisen kann, zeigt der Erfolg der vibrierenden Gesichtsreinigungsbürsten wie der neuesten von Clinique. Eine Abreibung im dermatologischen Sinne hat immer auch einen reinigenden Effekt, vor allem im Gesicht. "Pflegeprodukte können dadurch viel besser in die Haut eindringen", sagt Clinique-Dermatologe David Orenteich, bei Eucerin werden Peelings auch für Menschen mit unreiner Haut empfohlen, weil dann Talg die Poren weniger leicht verstopfen kann.

Doch mehr als zweimal die Woche empfehlen Dermatologen die mechanischen Peelings mit Salz, Zucker, Aprikosenkernen oder Reismehl nicht. Milder als Reibpartikel sind enzymatische Peelings wie das von La Roche-Posay, das abgestorbenen Hautschüppchen mit mikronisierter Kieselerde quasi auflöst. So oder so: "Gerötete oder entzündete Stellen nach Peelings sollten als Warnsignal ernst genommen werden, vor allem von Menschen mit empfindlicher Haut", sagt Lämmerhirt. Denn manche werden auf die Abreibungen auch richtig süchtig.

Tiefgründig

Die Idee einer forcierten Hauterneuerung hat längst auch die dermatologischen Praxen erreicht. Die sogenannte Mikrodermabrasion ist ein Peeling, das sich wie Sandstrahlung anfühlt "und etwas tiefere Hautschichten als Kosmetikprodukte erreicht", so Lämmerhirt, chemische Peelings mit Fruchtsäure sind noch tiefgründiger. Das fühlt sich dann an wie ein mehr oder weniger starker Sonnenbrand. Doch mit dieser Art von Verjüngungskuren ist es noch ein paar Wochen zu früh. Jeder Sonnenstrahl auf frisch gepeelter Haut ist total unerwünscht.

Apropos Winter: Richtig gut wirken Peelings, wenn man sie vor einem Saunagang einreibt. Sie öffnen die Poren und lassen den Schweiß (und alle anderen Giftstoffe) so richtig gut aus dem Körper abfließen. Die schöne Nebenwirkung: glatte, sanfte und empfindliche Haut.

Bis in die Zehenspitzen, wer will, denn eine Abreibung der Fußsohlen ist eine gute Sache. "Es ist ein Märchen, dass häufige Peelings die Hornhaut an den Füßen dicker werden lässt", sagt Dermatologin Lämmerhirt. Allein: Die Zeit fürs Barfußgehen ist für ein paar Monate ohnehin vorbei. (Karin Pollack, Rondo, DER STANDARD, 10.10.2014)

  • Schlangen häuten sich, bei Menschen ist Peeling eine Verjüngungskur.
    illustration: dennis eriksson

    Schlangen häuten sich, bei Menschen ist Peeling eine Verjüngungskur.

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