Bianchi erlitt Schädel-Hirn-Trauma

7. Oktober 2014, 18:33
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Zustand des Franzosen nach Unfall in Suzuka weiter kritisch - Schumacher-Arzt vor Ort - Ecclestone fordert externe Untersuchung

Yokkaichi - Der am Sonntag schwer verunglückte Jules Bianchi schwebt weiterhin in Lebensgefahr. "Er hat ein Schädel-Hirn-Trauma erlitten und ist in einem kritischen, aber stabilen Zustand", teilte seine Familie am Dienstag mit. "Jules bleibt auf der Intensivstation des Mie General Medical Center in Yokkaichi."

Die Angehörigen des Franzosen bedankten sich für die weltweite Anteilnahme und Unterstützung für ihren Sohn. Dies sei "eine Quelle großen Trostes" gewesen. Außerdem hieß es in der vom Marussia-Team des 25-Jährigen verschickten Presse-Erklärung: "Dies ist eine sehr schwierige Zeit für unsere Familie." Bianchi hatte sich bei einem Unfall am Sonntag in Suzuka schwere Schädelverletzungen zugezogen.

FIA-Präsident Jean Todt hat indes eine umgehende Untersuchung angeordnet. Rennleiter Charlie Whiting soll demnach einen Bericht über den Hergang des folgenschweren Zusammenstoßes mit einem Bergungskran beim Großen Preis von Japan anfertigen. Das berichtete die britische Zeitung "The Telegraph" am Dienstag.

Bernie Ecclestone sind interne Untersuchungen des Internationalen Automobilverbands (FIA) nicht genug: Der F1-Geschäftsführer, der am Wochenende nicht selbst vor Ort war, forderte externe Ermittler. In der Zeitung "The Times" betonte Ecclestone, dass man in den vergangenen Jahren viel für die Sicherheit getan habe. "Ich habe immer gesagt, wenn ich einmal einen Unfall haben sollte, dann bitte in einem Formel-1-Auto. Sie sind die sichersten in der Welt", meinte Ecclestone.

Warum die Grüne Flagge?

Bianchi wurde aber letztlich kein unmittelbares Sicherheitsproblem an seinem Wagen zum Verhängnis, sondern ein Bergungsfahrzeug. Er war am Sonntag in Suzuka im Regen von der Strecke abgekommen und mit hoher Geschwindigkeit unter das Heck des Krans gerast. Videos, die im Internet vor ihrer Sperrung mit dem Verweis auf Rechte des Formula One Managements kursierten, zeigen zudem, dass sich mindestens auch noch zwei Streckenposten in höchster Gefahr befanden.

Zudem entfachte sich eine Diskussion über die Grüne Flagge, die geschwenkt worden war und freie Fahrt signalisiert hatte. Die FIA hatte von einer doppelten Gelbphase gesprochen, nachdem vor Bianchi Adrian Sutil (Sauber) an derselben Stelle in Kurve 7 von der Strecke abgekommen war. Die Grüne Flagge dürfte allerdings als Entwarnung für die Strecke nach dem Unfall des Deutschen gegolten haben. Offizielle Erklärungen blieben dafür vorerst aus.

Am Dienstag traf auch Gerard Saillant, Arzt des deutschen Rekordweltmeisters Michael Schumacher, bei Bianchi ein. Saillant ist Präsident des Gehirn- und Rückenmarks-Instituts in Paris. Der Chirurg war auch nach Schumachers schwerem Skiunfall im Dezember 2013 wenige Tage später zu Beratungen mit den behandelnden Medizinern nach Grenoble gekommen. Saillant hatte Schumacher unter anderem 1999 nach dessen Unfall in Silverstone operiert. Damals hatte sich Schumacher einen Schien- und Wadenbeinbruch zugezogen.

Bianchis Familie bedankte sich bei Saillant und dessen italienischem Kollegen, dem Neurochirurgen Alessandro Frati. Beide Spezialisten unterstützen die Fachärzte in Japan. Bianchis Angehörige sprachen auch dem medizinischen Personal im Mie-Hospital ihren Dank aus. Weitere ärztliche Neuigkeiten würden bekanntgegeben, wenn es angemessen sei.

Wurz: "Keine voreiligen Schlüsse"

Solange nicht alle Umstände des Unfallhergangs geklärt seien, sollten sich die Piloten am besten nicht dazu äußern, riet Alexander Wurz, der Präsident der Pilotenvereinigung GPDA laut "autosport.com". "Wir müssen den Experten die Zeit geben, alles zu analysieren", sagte der Österreicher und warnte vor voreiligen Schlüssen.

Für die Familie Bianchi werden indes schreckliche Erinnerungen wach. Jules Bianchis Großonkel Mauro war 1968 bei einem schweren Unfall bei den 24 Stunden von Le Mans nur knapp dem Tod entkommen. Ein Jahr später verstarb Jules Bianchis Großvater Lucien bei Testfahrten auf dem legendären Kurs in Frankreich. Jules Bianchi wollte trotzdem immer die Motorsport-Tradition der Bianchis fortsetzen. (APA/red - 7.10. 2014)

  • Jules Bianchi wird im "Mie General Medical Centre" behandelt.
    foto: apa/epa/robichon

    Jules Bianchi wird im "Mie General Medical Centre" behandelt.

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