Blasen-Warnungen trüben Oktoberfest der Immo-Branche

7. Oktober 2014, 17:54
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Internationale Investoren drängen in "sicheren Hafen" Deutschland – Liquiditätsschwemme trifft auf Objektmangel

Deutschland erfreut sich weiterhin großer Beliebtheit unter internationalen Immobilien-Investoren: In den ersten drei Quartalen des heurigen Jahres wurden insgesamt 26 Milliarden Euro in deutsche Immobilien investiert, das Volumen lag damit um 30 Prozent über dem Niveau des Vorjahreszeitraums. Bei Colliers Deutschland erwartet man im Gesamtjahr einen Wert zwischen 30 und 35 Milliarden Euro und damit das höchste Volumen seit 2007. Bei JLL geht man sogar von bis zu 40 Milliarden Euro aus. Schließlich profitierte der deutsche Markt ganz klar von der derzeit recht schwierigen geopolitischen Lage, heißt es in einem aktuellen Bericht.

Internationale Investoren erwerben nicht nur deutsche Gewerbeimmobilien besonders gern, sondern auch weiterhin Wohnimmobilien-Portfolios – trotz des nun endgültig vollzogenen Beschlusses für die Einführung einer "Mietpreisbremse". In den ersten drei Quartalen – als die Bremse bekanntlich schon längst überall diskutiert wurde - verzeichneten die Investitionen in die "Assetklasse Wohnen" mit insgesamt knapp zehn Milliarden Euro einen Anstieg von 18 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

"Die Blase kommt – aber wann?"

Es gäbe also einiges zu Feiern auf der gerade laufenden internationalen Immobilienmesse "Expo Real" in München, dem "Oktoberfest der Immo-Branche", das zum bereits 17. Mal unmittelbar im Anschluss an das "echte" Münchner Oktoberfest stattfindet. Und doch mischen sich in die zahlreichen Diskussionen auf der Messe auch immer wieder sorgenvolle Bekundungen darüber, wie es mittelfristig weitergehen wird. Ob man sich nicht zumindest in Teilmärkten schon wieder in Richtung einer Blase bewege, diese Frage wurde in dem einen oder anderen Forum offen diskutiert.

Der Hamburger Investment-Berater Dieter Becken gab sich diesbezüglich gleich gar keinen Illusionen hin: "Die Blase wird kommen – wir wissen nur noch nicht, wann", sagte er in einer Investment-Diskussion vor zahlreich erschienenem Publikum. Torsten Knapmeyer, Chef der Deka Immobilien, wollte das aber so nicht stehen lassen: "Blase heißt, es knallt fürchterlich und die Preise fallen danach tief – das glaube ich nicht." Was sicher kommen werde, ist ein Anstieg der Zinsen; Knapmeyer rechnet damit aber "nicht vor 2017".

Zu viel Geld, zu wenige Objekte

Das größte Problem derzeit: Das aktuell äußerst niedrige Zinsniveau führt zu einer "Liquiditätsschwemme", der andererseits nicht in ausreichendem Maße Objekte gegenüberstehen. Insbesondere in den "Top 7"-Städten Deutschlands – München, Hamburg, Berlin, Köln, Stuttgart, Düsseldorf, Frankfurt/Main - sind die Preise gestiegen und die Renditen gesunken. Investoren müssen also ausweichen in sogenannte "B-Städte", deren Märkte aber weniger volatil sind und deshalb im Fall des geplanten Wiederausstiegs zum Problem werden – wenn kein Abnehmer gefunden wird.

Ein nicht minder großes Problem könnte werden, wovon Jan Bettink, Vorstandschef der Berlin Hyp, berichtete: In Großbritannien würden manche Banken bereits wieder Projekte zu 100 Prozent – also ganz ohne Eigenkapital des Kreditwerbers – finanzieren. Die Sorge, dass das auch wieder auf den Kontinent überschwappt, ist für ihn durchaus angebracht – und dann wäre es bis zum Platzen der nächsten Kreditblase nicht mehr allzu weit. "A new generation for dumb money", nannte es Barbara Knoflach, Vorstandsvorsitzende der SEB Invest Gmbh mit Sitz in Frankfurt.

Mietpreise gebremst, Investitionen nicht

Was die deutsche Mietpreisbremse betrifft, die kürzlich von der Regierung beschlossen wurde, so dürfte auch diese nicht für ein Versiegen der Investments in Wohnimmobilien sorgen – darüber war sich ein Panel zu diesem Thema grosso modo einig. Die Politik solle aber für Klarheit sorgen, wurde etwa von der Österreicherin Maria-Teresa Dreo, Leiterin der Immobilienabteilung der Münchner Hypovereinsbank (UniCredit Group), gefordert. Viele Details seien noch unklar, etwa was die fünfjährige Befristung betreffe.

Axel von Goldbeck vom Zentralen Immobilien-Ausschuss sagte, dass die Mietpreisbremse mit der Herausnahme von Neubauten immerhin "deutlich entschärft" worden sei, dass sie für die Immobilienwirtschaft dessen ungeachtet aber ein "untaugliches Mittel" bleibe. Das sieht bekanntlich auch Jürgen Michael Schick, Vizepräsident des Immobilienverbands Deutschland (IVD), so. Er forderte die Politik dazu auf, für "qualifizierte Mietenspiegel" zu sorgen. (Martin Putschögl aus München, derStandard.at, 7.10.2014)

  • Eigentlich gäbe es Grund zu Feiern - aber auch die Gefahr einer Blase wurde in einigen Foren offen diskutiert.
    foto: expo real

    Eigentlich gäbe es Grund zu Feiern - aber auch die Gefahr einer Blase wurde in einigen Foren offen diskutiert.

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