Aus für Militärschulen: "Ohrfeige" für die Schüler

7. Oktober 2014, 18:04
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Das Militärrealgymnasium wird geschlossen: Das Bundesheer gibt die 1965 vereinbarte Zusammenarbeit mit Unterrichtsressort auf, Schüler sind frustriert

Wiener Neustadt / Wien - Wer derzeit das Militärrealgymnasium besucht, hat keine Ahnung, wie es weitergehen soll. "Stellen Sie sich vor, wie es Schülern geht, die gerade erst das Auswahlverfahren geschafft haben - und nun erfahren, dass sie hier nicht maturieren können. Oder Schülern der sechsten Klasse, die bisher Russisch und Spanisch gelernt haben und damit kaum an einer Schule in ihrem Heimatbundesland weiterlernen können", schildert der (erst zum 1. Oktober bestellte) Direktor des Oberstufengymnasiums, Werner Sulzgruber; im STANDARD-Gespräch die "Ohrfeige", die Verteidigungsminister Gerald Klug den Schülern gegeben habe, als er sagte, dass nur noch zwei Jahrgänge die Schule abschließen dürfen.

Tradition von Kadettenschulen

Das Bundesheer brauche die Schule, die laut Sulzgruber "natürlich in der Tradition von Kadettenschulen steht und jene Form von 'Leadership' vermittelt, von der der Minister immer spricht", einfach nicht mehr, heißt es im Ministerium.

Dass die Schule ihren Rechtsstatus einem interministeriellen Abkommen, 1965 zwischen den Ministern Georg Prader (Verteidigung, ÖVP) und Theodor Piffl-Percevic (Unterricht, ebenfalls ÖVP) geschlossen, verdankt, stört im Ministerium auch nicht: Die Auflösung bedürfe ohnehin eines Ministerratsbeschlusses. Und wenn die Unterrichtsministerin, die wie Klug der SPÖ angehört, zustimme, dann müsse in den nachgeordneten Dienststellen die Einsparung eben vollzogen werden. Auch im Unterrichtsressort, das dem Militärgymnasium die Lehrerposten bezahlt.

Rückzug aus Langenlebarn

Der niederösterreichische Militärkommandant Rudolf Striedinger bestätigte am Dienstag in einer Pressekonferenz die Schließungspläne und fügte hinzu, dass das Militär auch die Kostenbeteiligung an der hoch spezialisierten Bundesfachschule für Flugtechnik in Langenlebarn einstellen werde. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 8.10.2014)

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