Für ein Überwinden der Disziplinen

9. Oktober 2014, 18:43
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Im Angewandte Innovation Lab sollen Künste und Wissenschaften näher zusammenrücken

Wien - "Die Idee dieses Ortes ist es, Künste und Wissenschaften zusammenzubringen", sagte Gerald Bast, Rektor der Universität für angewandte Kunst am Pre-Opening des Innovation Labs (AIL). In den Räumen des alten Bürgerhauses am Franz-Josef-Kai sollen ab 20. Oktober Diskussionen, Ausstellungen und Veranstaltungen zur "Auseinandersetzung in Einigkeit, aber auch in der Kontroverse" stattfinden, wodurch die "Basis für die Entwicklung der Gesellschaft, die nie monodisziplinär möglich war", vorangetrieben werden soll.

In der Podiumsdiskussion "Expect the Unexpected" setzten sich vergangenes Wochenende Kunstschaffende und Wissenschafter mit der Funktion der Räume am Franz-Josefs-Kai auseinander. "In der Kunst sind Dinge möglich, an die in der disziplinären Wissenschaft nicht gedacht werden kann", betonte Nora Sternfeld, Professorin für Ausstellungstheorie und Kunstvermittlung an der Aalto University Helsinki, die Wichtigkeit solcher Zusammenschlüsse.

Auch Alan Scott, Vizepräsident des Wissenschaftsfonds FWF, fasziniert die Idee des unkonventionellen interdisziplinären Zusammentreffens: "Wir brauchen die Disziplinen, aber wir müssen sie auch überwinden." An Orten wie dem AIL wäre dies möglich.

"Wir leben in einer Zeit, in der Fragmentierung und Nischenbildung Teil der Karriereplanung sind", meinte Bast. Dabei würden "paradigmenbrechende Innovationen" vor allem an den Rändern und in der Überlappung von Disziplinen stattfinden. Dort würden auch neue Fragestellungen aufkommen, etwa in Kunst und Medizin, meinte Virgil Widrich, Professor an der Angewandten. Er habe etwa in seiner Kunstklasse am AKH mit Röntgenexperten Ansätze der Bilddarstellung diskutiert.

Salon im Erdgeschoß

Einen Anknüpfungspunkt sieht Bast in den Wiener Salons des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts. Diese waren - meist private - gesellschaftliche Treffpunkte für Diskussionen: "Wien war, bevor die Intelligenz und Kunstszene in weiten Feldern vertrieben oder ermordet wurde, ein Ort des Zusammenwirkens der Kunst und Wissenschaft" Diese "Explosion der Kreativität und Innovation" wolle er wieder erreichen. An den Salons von damals wolle man ansetzen. Menschen mit unterschiedlichen Backgrounds in Bildung und Profession sollen einander treffen. Daraus solle eine "Atmosphäre entstehen", die wiederum "in und zwischen den Disziplinen ein gesellschaftliches Potenzial entstehen" lasse.

Nora Sternfeld warnte in der Diskussion aber auch vor der Gefahr, dass "Disziplin und Kapitalisierung alle Nischen" erreichen könnten - auch die Kunst. Dass also die "Rede von Innovation nicht mehr Wissen, sondern mehr Flachheit" erzeugen würde. "Wir dürfen nicht in die Quantifizierungsfalle tappen, die Kunst und Bildung entgegenschlägt", sagte Bast: "Man hat eine Vorstellung, und am Ende muss etwas Bestimmtes oder eine umsetzbare Idee herausschauen. Aber das ist nicht, was Kunst ist, und auch nicht Wissenschaft." Es ginge vielmehr um das Bestreben selbst, aber auch "um Umwege und Überraschungen, das ist es, was wir hier erreichen wollen" - eine Ebene, die "unter der quantifizierbaren Leistung" stehe. (Oona Kroisleitner, DER STANDARD, 8.10.2014)

  • Ende Oktober wird das Kreativlabor am Franz-Josefs-Kai eröffnet: 600 Quadratmeter für Diskussionen und Ausstellungen.
    foto: lea dietiker

    Ende Oktober wird das Kreativlabor am Franz-Josefs-Kai eröffnet: 600 Quadratmeter für Diskussionen und Ausstellungen.

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