"Alien: Isolation" überzeugt die Tester: Endlich ein gutes "Alien"-Spiel

8. Oktober 2014, 10:36
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Action-Survival im Stile des ersten Films kann aber nicht alle Schwächen kaschieren

Die "Alien"-Reihe hat eine bewegte Film- und Spielegeschichte. Letztere verzeichnete mit "Aliens: Colonial Marines" vergangenes Jahr einen unrühmlichen Tiefpunkt. Gearbox lieferte einen unterdurchschnittlichen Egoshooter ab, der zum Release mit schwerwiegenden Fehlern auffiel. Insbesondere die ohnehin nicht besonders ausgeprägte Intelligenz der namensgebenden Außerirdischen produzierte oft Aussetzer.

Etwas mehr als anderthalb Jahre später soll es nun Creative Assembly gerade biegen. Das Studio ist vorrangig eigentlich für die Strategiespielserie "Total War" bekannt. In den vergangenen Monaten ernteten die Entwickler einige Vorschusslorbeeren für "Alien: Isolation". Zurecht, wie nun das Gros der Tester befindet.

Reise nach Sewastopol

Das Spiel setzt die Handlung des ersten "Alien"-Films von Ridley Scott fort. Amanda Ripley, Tochter der Protagonisten Ellen Ripley, arbeitet als Technikerin beim Weyland-Yutani-Konzern. In deren Auftrag reist sie zur tief im All gelegenen Raumstation "Sewastopol", die ausrangiert werden soll.

Sie erfährt, dass sich dort der Flugschreiber der "Nostromo" befinden soll. Auf diesem Schiff wurde einst ihre Mutter Ellen Ripley erstmals mit dem Alien konfrontiert, ehe sie von diesem im Rettungsshuttle "Narcissus" floh und seitdem als verschollen gilt. Amanda erhofft sich durch die Daten Hinweise auf den möglichen Aufenthaltsort ihrer Mutter.

Doch bei ihrer Ankunft auf "Sewastopol" muss Ripley feststellen, dass die Station offenbar von einer Katastrophe heimgesucht wurde. Sie ist in einem desolaten Zustand, in den Gängen flackert die Beleuchtung, automatische Türen funktionieren oft nicht, überall finden sich durchgerissene Kabel und Rohrbrüche. An die Stelle arbeitsamen Astronautenalltags ist ein grausamer Überlebenskampf gerückt, an dem nun auch die junge Technikerin teilnehmen muss.

Beeindruckende Atmosphäre

"Alien: Isolation" erhält unisono Lob für seine grafische Gestaltung. Zwar werden die Möglichkeiten längst nicht gnadenlos ausgereizt – oft entpuppen sich Gegenstände bei genauem Hinsehen als sehr grob modelliert – doch in atmosphärischer Hinsicht erweckt die Raumbasis den gewünschten Eindruck einer abgewohnten, abgenutzten und langsam zerfallenden künstlichen Stadt.

In dieser Hinsicht, befindet Andy Kelly bei PC Gamer, biete "Alien: Isolation" die visuell beeindruckendste Spielewelt seit "Deus Ex: Human Revolution". Creative Assembly verzichtete bei der Umsetzung auf übertrieben futuristische Elemente und hielt sich an den Stil des Filmes aus dem Jahre 1979.

Der Feind ist immer da

Diese ist offen gestaltet, in welcher Reihenfolge man den gerade gegebenen Zielen folgt, bleibt dem Spieler überlassen. Zumeist bewegt man sich durch eng gehaltene Räumlichkeiten und Gänge, die nur selten von offeneren Arealen unterbrochen werden. Dabei ist man freilich nicht alleine, jedoch stellen andere Existenzformen – allen voran das riesige Alien, das in der Station lebt – stets eine Bedrohung dar.

Der extraterrestrische Feind ist praktisch allgegenwärtig. Nur selten ist er nicht zu bemerken, meist bezeugen aber Schritte, Geräusche aus der Wand und Laute aus Schächten seine Anwesenheit. Daneben wird Sewastopol auch noch von Überlebenden als auch von Androiden bevölkert, die seit dem Ausfall des Sicherheitssystems dem Protagonisten und anderen Menschen nach dem Leben trachten.

Basteln und Schleichen

Das Spiel verlangt fast immer vorsichtiges Vorgehen und ein kluges Abwägen der eigenen Optionen, zumal man selten über effektive Waffen verfügt. Meist muss Ripley auf selbstgebastelte Lösungen wie Molotow-Cocktails zurückgreifen, die man aus herumliegenden Gegenständen bauen kann.

Andere Menschen, die die Protagonistin mal zum Rückzug auffordern, gelegentlich aber auch direkt angreifen, lassen sich ebenso besiegen, wie die Androiden mit ihrem furchteinflössend starren Blick. Doch Gewaltanwendung erzeugt Lärm oder andere Reize, die das Alien anlocken. Dieses erweist sich als Killermaschine, gegen die kein Kraut gewachsen ist und als solche aber auch geschickt als Waffe gegen andere Menschen eingesetzt werden kann.

Elektronischer Begleiter

Über Feinde in der Umgebung kann sich Ripley grob mit ihrem Motion Tracker informieren, der allerdings ebenfalls Geräusche erzeugt. Ist das Monster nah, empfiehlt sich vorsichtiger, ungesehener Rückzug in einen sicheren Unterschlupf. In Form von Spinden, Kisten und anderen Gegenständen gibt es davon auch meist reichlich, allerdings kann ein kurzer Tritt ins Sichtfeld des Jägers bereits das Ende bedeuten.

Eine direkte Konfrontation mit dem Alien bedeutet in der Regel den Tod und die Notwendigkeit, mit dem letzten Spielstand fortzusetzen. Angelegt werden kann ein solcher nur bei spärlich verteilten Rettungsapparaten. Von Kugeln lässt sich das Alien in der Regel nicht beeindrucken, lediglich Feuer vermag es für einige Momente zu vertreiben.

Abwechslung

"Alien: Isolation" setzt den Spieler auf seiner Reise durch die Station Sewastopol unter konstante Anspannung. Trotzdem werden die Möglichkeiten und Herausforderungen ausreichend variiert, um keine Monotonie aufkommen zu lassen. Mal verliert man in einem Abschnitt seine Waffen, mal ist das Alien für eine Zeit lang aus dem Spiel genommen. Dazu erhält man im Zuge seines Fortschritts Werkzeuge und Hilfsmittel, die die Rückkehr zu einst unzugänglicher Areale und die Entdeckung von Story-Medien wie Audiologs erlaubt, die oft von der originalen Filmbesetzung eingesprochen sind.

Zumindest auf 20 Stunden schätzt David Houghton bei Games Radar die Spielzeit für "Alien: Isolation", wobei man die ersten ein bis zwei Stunden damit verbringt, sich mit den harschen Verhältnissen des Weltraum-Survivals zu akklimatisieren.

Desensibilisierung

Doch hinter der packenden Fassade verbergen sich auch Schwächen. Wenngleich sich das Alien scheinbar intelligent verhält, moniert Arthur Gies bei Polygon, scheint es dem Spieler doch auffällig wie an einer unsichtbaren Schnur zu folgen und seine Umgebung zu durchwandern, selbst wenn man minutenlang in einem Versteck ausharrt.

Während das Spiel in seinen besten Momenten für Panik und Gänsehaut sorgt, was vor allem zu Beginn oft der Fall ist, kann die ständige Präsenz des Aliens und die oftmalige Konfrontation zu einer Abstumpfung führen. Was also in den ersten Abschnitten des Spieles ein Gefühl genuiner Angst hervorruft, wirkt am Ende zunehmend nervtötend.

Gleichzeitig sind Kenner des Filmes mit der Dramaturgie und Elementen der Handlung vertraut genug, um oft genug zu erahnen, was in diesem oder jenem Moment passieren könnte. Überhaupt, so wiederum der allgemeine Tenor, dient die Story mehr als Mittel zum Zweck und wartet nur mit wenigen Highlights auf.

Fazit: Solide bis genial

Für die meisten Tester zeigen sich diese Probleme nicht, oder nicht in einem Ausmaß, um das Spielerlebnis signifikant zu trüben. Vor der hochgelobten Kulisse der "Sewastopol" ist "Alien: Isolation" je nach Blickwinkel also entweder ein enorm packendes Überlebensabenteuer, oder zumindest ein ordentliches Spiel, das aufgrund seines nicht genutzten Potenzials aber enttäuscht. (gpi, derStandard.at, 08.10.2014)

  • "Alien: Isolation" ist für Windows, Xbox One, Xbox 360, PlayStation 4 und PlayStation 3 erschienen.
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    "Alien: Isolation" ist für Windows, Xbox One, Xbox 360, PlayStation 4 und PlayStation 3 erschienen.

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