Alaba und Junuzovic oder Schritt für Schritt

7. Oktober 2014, 17:24
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Nach dreimal EM-Quali trifft das ÖFB-Team am 18. November einmal auf Brasilien

Stegersbach - Im beschaulichen Stegersbach gilt die Konzentration selbstverständlich der Republik Moldau und Montenegro. Am Dienstag um die Mittagszeit, zwischen zwei Trainingseinheiten, erreichte die Fußballer des österreichischen Nationalteams allerdings die Kunde, dass sie am 18. November in Wien gegen Brasilien spielen dürfen.

Anlässlich der Gillette Brasil Global Tour schauen Neymar und Co im Happel-Stadion vorbei, Anpfiff ist um 19 Uhr, der Vorverkauf startet heute. Brasilien ist trotz des 1:7 im WM-Halbfinale gegen den späteren Champion Deutschland nicht zu unterschätzen. Dass auch die Partie um Platz drei gegen die Niederlande 0:3 verlorenging, war auf die kollektive Depression im Gastgeberland zurückzuführen. David Alaba reagierte auf das überraschende Beisammensein bündig mit "super". Drei Tage davor, also am 15. November, findet an gleicher Stätte ein weit wichtigeres Match statt: die EM-Qualifikation gegen Russland.

Der 22-jährige Alaba pflegt einen Schritt nach dem anderen zu setzen. Also ist Moldau das Thema, heute wird nach Chisinau geflogen, um dort am Donnerstagabend im Idealfall zu gewinnen. "Es liegt an uns. Wir müssen den Ball in unseren Reihen halten, unser Spiel aufziehen, vor dem Tor effizient sein." Selbiges gilt auch für den Sonntag, fürs Heimspiel gegen Montenegro. "Aber damit beschäftige ich mich jetzt nicht."

Alaba weiß, dass er Verantwortung zu übernehmen hat ("Ich will der Mannschaft immer helfen"), bei Bayern München muss und kann er gar nicht so dominant sein, das erledigt Herr Xabi Alonso. Der Spanier bringt es bisweilen auf 200 und mehr Ballkontakte pro Partie, er agiert, als hätte er einen Magneten verschluckt. "Es schaut zumindest so aus. Er ist ein besonderer Spieler, seine Ruhe am Ball ist einzigartig, eine großartige Neuverpflichtung." Alaba sagt, er könne von dem 32-Jährigen viel lernen. "Seine Präzision ist ein Irrsinn. Er passt mit einer Schärfe und Genauigkeit sowohl in die Tiefe als auch in die Breite." Er selbst ist bei den Bayern sozusagen der Bub für fast alles, manchmal stellt ihn Trainer Pep Guardiola links in die Viererkette, dann ist er Teil der Dreierabwehr, hin und wieder ist er Alonsos Partner im Mittelfeld. Alaba verwirrt das überhaupt nicht. "Ich werde dadurch noch vielseitiger." Teamchef Marcel Koller hält ihn konsequent für einen vielseitigen Mittelfeldmann.

Bayern München ist souveräner Tabellenführer, ein anderer Stegersbacher, Zlatko Junuzovic, ist mit Bremen das nicht ganz so souveräne Schlusslicht. Der 27-Jährige bekommt regelmäßig und als Einziger der gebeutelten Mannschaft hervorragende Kritiken, was nichts daran ändert, "dass wir am Tiefpunkt sind. Für mich ist das Nationalteam eine Wohlfühloase, das ist gut für den Kopf." Gerüchteweise könnte Junuzovic Werder im Winter verlassen und in einem anderen offensiven Mittelfeld Kritiker überzeugen. "Darüber spreche ich nicht. Es geht nur darum zu punkten. Man darf sich nicht in den Negativstrudel reinziehen lassen." Am 18. Oktober besucht Junuzovic seinen Kollegen Alaba in München, der Strudel dürfte in die Verlängerung gehen. "Bayern wird für uns sinnlos sein. Danach kommen Gegner, die auf Augenhöhe sind."

Auch Junuzovic denkt schrittweise. "Moldau ist machbar, Montenegro ist machbar. Brasilien ist irgendwann." (Christian Hackl, DER STANDARD, 8.10.2014)

  • Brasilien? "Super." Doch jetzt ist Alaba auf Moldau fokussiert.
    foto: apa/jäger

    Brasilien? "Super." Doch jetzt ist Alaba auf Moldau fokussiert.

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