Tierschützer kritisieren Medizinnobelpreisvergabe

7. Oktober 2014, 17:09
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Organisation sieht Verstoß gegen ethische Kriterien

Oslo - Nicht alle Norwegerinnen und Norweger haben sich darüber gefreut, dass May-Britt und Edvard Moser den Medizinnobelpreis 2014 erhielten. Live Kleveland, Sprecherin der norwegischen Tierschutzallianz, zeigte sich jedenfalls "traurig". Ihre Vereinigung habe die Experimente, die das ausgezeichnete Forscherpaar mit Ratten durchführt, über Jahre verfolgt und vergeblich versucht, sie auf juristischem Wege zu stoppen. Bei ihren Experimenten hätten die Forscher Instrumente in die Köpfe von Ratten implantiert, dabei teilweise ihre Gehirne zerstört und die Tiere Angst und Stress ausgesetzt.

John O’Keefe hingegen, der in London forschende Ko-Laureat, warnte in der BBC die Regierung, Tierversuche zu stoppen und die Einwanderungsgesetze zu verschärfen. Beides würde der Forschung schaden.

"Widerspruch zu den Werten des Nobelpreises"

Kleveland sagte, ihre Vereinigung habe die Arbeit der Forscher über Jahre verfolgt und vergeblich versucht, sie auf juristischem Wege zu stoppen. Die Tierschutzorganisation Peta erklärte ihrerseits, die Auszeichnung an Wissenschafter, "die jahrzehntelang unzähligen Tieren fürchterliche Schmerzen zufügten", stehe im Widerspruch zu den Werten des Nobelpreises. Die Schädel der Versuchstiere sei bei den Experimenten durchbohrt und ihr Gehirn durch giftige Injektionen vernichtet worden. Anschließend seien sie getötet worden.

May-Britt Moser sagte, sie befolge die in Norwegen gültigen Regelungen. Mit den Ratten werde "wie mit Menschen" umgegangen. Sie würden betäubt und anschließend so behandelt, dass sie "keinerlei Schmerz" spürten. May-Britt und Edvard Moser war am Montag zusammen mit dem US-britischen Neurowissenschaftler John O'Keefe für ihre Entdeckung eines "Navigationssystems im Gehirn" der Medizin-Nobelpreis zuerkannt worden. Der Jury zufolge könnten die Forschungen der drei Preisträger über den Orientierungssinn zu einem besseren Verständnis degenerativer Hirnerkrankungen wie Alzheimer beitragen. (APA/red, derStandard.at, 07.10.2014)

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