IWF warnt vor weiterer globaler Wirtschaftskrise

7. Oktober 2014, 15:25
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Die Erholung in der Eurozone stagniert, geopolitische Krisen wie in der Ukraine und Nahost bedrohen das Wirtschaftswachstum zusätzlich

Washington - Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnt vor der Gefahr einer neuen globalen Wirtschaftskrise. Die Risiken für die Weltkonjunktur seien in den vergangenen Monaten wieder größer geworden, erklärte die Organisation am Dienstag in Washington. Seine Wachstumsprognose für dieses Jahr korrigierte der IWF erneut deutlich nach unten.

Eine große Sorge sei, dass die Erholung in der Eurozone stagniere. Auch geopolitische Krisen wie in der Ukraine oder in Nahost könnten weit über die betroffenen Gebiete hinaus ökonomischen Schaden anrichten, etwa durch steigende Energiepreise. Riskant sei zudem eine mögliche Überhitzung der Finanzmärkte. Die hohen Börsenkurse würden nicht die Zerbrechlichkeit der wirtschaftlichen Erholung widerspiegeln.

Globales Wachstum bei nur 3,3 Prozent

In dem am Dienstag vorgelegten Weltwirtschaftsausblick senkte der IWF seine Prognose des globalen Wachstums für dieses Jahr auf 3,3 Prozent. Im April war der Wert noch 0,4 Prozentpunkte höher. Auch für 2015 korrigierte der Krisenhelfer seine Aussichten nach unten und rechnet nun mit 3,8 Prozent Wachstum. Damit musste der Fonds zum wiederholten Male in Folge seine Erwartungen reduzieren.

Für Österreich ist der IWF für heuer und das kommende Jahr optimistischer als die heimischen Wirtschaftsforscher. So soll Österreichs Wirtschaft nach IWF-Berechnungen heuer real um 1,0 Prozent wachsen, 2015 soll sich das BIP-Wachstum auf 1,9 Prozent beschleunigen.

Wachstum enttäuscht

"Die Geschwindigkeit des Wachstums hat in den letzten Jahren enttäuscht", erklären die IWF-Experten. Vor allem in großen Volkswirtschaften werde trotz niedriger Zinsen zu wenig investiert und zu wenig für die Nachfrage getan. Zudem gebe in zahlreichen Nationen den dringenden Bedarf an Strukturreformen. Die Spätfolgen der großen Rezession vor rund sechs Jahren seien hartnäckiger als bis jetzt gedacht.

Auch für Deutschland sieht der IWF nun eine schlechtere Entwicklung als bisher angenommen. So dürfte das Wachstum dieses Jahr lediglich 1,4 Prozent betragen. Das ist eine Absenkung von 0,5 Prozentpunkten seit dem letzten Zwischenbericht der Einrichtung im Juli. 2015 soll die Konjunktur in Deutschland um 1,5 Prozent wachsen, statt wie bisher vom Währungsfonds vorausgesagt um 1,7 Prozent.

Die IWF-Volkswirte empfehlen der Bundesrepublik öffentliche Investitionen in Infrastruktur, vor allem für die Instandhaltung und Modernisierung. Deutschland habe seinen Staatshaushalt saniert und könne sich solche Ausgaben leisten, ohne Defizitvorschriften des Stabilitätspakts zu verletzen.

Gesenkte Erwartungen

Für die Eurozone erwartet die Organisation 0,8 Prozent Wachstum in diesem und 1,3 Prozent im kommenden Jahr. Beide Werte wurden deutlich gesenkt. Große Abstriche macht der IWF bei Italien und Frankreich. Die spanische Wirtschaft sieht er dagegen auf einem stabilen Weg.

"Es besteht das Risiko, dass die Erholung in der Eurozone stagniert", schreibt IWF-Chefvolkswirt Olivier Blanchard. Man gehe zwar nicht davon aus und erwarte weiterhin eine langsame Verbesserung der Lage. "Aber sollte dieses Szenario wahr werden, würde es ein großes Problem werden."

Große Schwierigkeiten sieht der internationale Kreditgeber auch wegen der Sanktionen in der Ukraine-Krise weiterhin für die russische Wirtschaft. Auch der einstige Wachstumsmotor Brasilien kämpfe mit einer noch schwächeren Konjunktur als zuletzt erwartet. Weniger Probleme sieht der IWF für China, dessen Wachstum in den kommenden beiden Jahren über sieben Prozent bleiben soll. Auch Indien habe sich nach einer Schwächephase wieder gefangen. (APA, 7.10.2014)

Kommentar: Falsche Medizin

  • Der Aufschwung lässt auf sich warten. Der IWF sieht neue Gefahren für die Wirtschaft.
    foto: ap / uwe zucchi

    Der Aufschwung lässt auf sich warten. Der IWF sieht neue Gefahren für die Wirtschaft.

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    grafik: apa
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