US-Agent erstellt Facebook-Profil mit beschlagnahmten Fotos 

7. Oktober 2014, 14:43
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Junge Frau war verhaftet worden, später wurde sie ohne ihr Wissen zum Facebook-Lockvogel der DEA

Der US-Drogenbehörde DEA droht ein Datenschutz-Skandal: Ein Mitarbeiter hatte mit privaten Fotos und anderen Daten aus einem beschlagnahmten Smartphone ein Fake-Profil auf Facebook erstellt, ohne die betroffene junge Frau über die Verwendung ihrer Bilder zu informieren. Der Account diente dazu, mit anderen Verdächtigen zu kommunizieren und so Informationen zu ergattern. Laut Rechtsexperten sei die US-Amerikanerin durch das Vorgehen der Behörde in Gefahr gebracht worden, aus Datenschutz-Perspektive seien die Vorgänge "sehr verstörend". Allerdings sei all dies legal, urteilte jetzt das US-Justizministerium – obwohl auch die minderjährigen Verwandten der Betroffenen gezeigt wurden.

Seit drei Jahren aktiv

Das Fake-Profil soll seit mehr als drei Jahren aktiv sein, so die Betroffene Sondra Arquiett (früher Price), deren echter Name verwendet wurde. Ein Bekannter hatte sie auf anzügliche Fotos auf ihrem Facebook-Account angesprochen, dabei hatte Arquiett gar kein Benutzerkonto eingerichtet. Später entdeckte sie, dass die DEA hinter dem Profil stand.

Facebook: Verletzt unsere Regeln

Laut Facebook sei deren Handeln eine "Verletzung unserer Regeln", die auch "für Strafbehörden ausnahmslos gelten". Das Vortäuschen einer anderen Person widerspreche ganz klar den Statuten, so ein Facebook-Sprecher gegenüber Buzzfeed. Allerdings dürfte die Aktion in Einklang mit US-Recht stehen. Denn das Justizministerium urteilte nach einer Beschwerde von Arquiett, dass diese doch implizit ihre Zustimmung zur Nutzung gegeben hatte. Arquiett war selbst für eine kleine Anzahl krimineller Handlungen im Drogenmilieu verurteilt worden, hatte damals aber sofort mit den Behörden kooperiert. Deshalb war sie nur zur Bewährung verurteilt worden, mittlerweile gilt sie als unbescholten

Hatte Smartphone zur Durchsuchung bereitgestellt

Im Zuge ihres Prozesses hatte Arquiett den Behörden ihr Mobiltelefon für eine Durchsuchung zur Verfügung gestellt. Damit habe sie auch eine Zustimmung zur Nutzung der Bilder erteilt, so das Justizministerium. Anita Allen, Professorin an der Pennsylvania Law School, hält diese Begründung für absurd: "Bei einer Hausdurchsuchung können Beamte auch keine Fotos beschlagnahmen und dann als falsche Identität verwenden." Sie nennt die Vorgänge "extrem verstörend und betrügerisch."

Minderjährige Kinder nicht geschützt

Weiter verschärft wird die Causa dadurch, dass der DEA-Mitarbeiter auch Bilder von Arquietts Sohn und ihrer Nichte veröffentlicht hat, bei beiden handelt es sich um kleine Kinder. Außerdem scheute der Agent nicht davor zurück, anzügliche Privatbilder von Arquiett zu nutzen. "Eine gefährliche Auslegung des Gesetzes", so Elizabeth Joh von der California School of Law – die nicht Schule machen dürfe. Das Fake-Profil ist nach wie vor abrufbar. (fsc, derStandard.at, 7.10.2014)

  • Der DEA-Agent scheute nicht davor zurück, anzügliche Fotos zu posten...
    screenshot/facebook

    Der DEA-Agent scheute nicht davor zurück, anzügliche Fotos zu posten...

  • .. auch die Rechte minderjähriger Verwandter des Opfers respektierte er nicht
    screenshot/facebook

    .. auch die Rechte minderjähriger Verwandter des Opfers respektierte er nicht

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