Streng gegürtet

Kolumne8. Oktober 2014, 18:03
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Eigentlich braucht es in diesem Herbst nicht mehr als ein Stück Leder. Das hält jetzt nicht nur die Hose in der Hüfte, sondern auch die Jacke im Zaum

Vor wenigen Wochen war hier schon einmal von Emmanuelle Alt die Rede. Das ist natürlich noch lange kein Grund, die Chefredakteurin der französischen "Vogue" nicht schon wieder zu erwähnen. Denn keine schlingt die Gürtel so gekonnt um ihren Körper wie diese Vertreterin des französischen Understatements. Emmanuelle Alt belässt es nämlich nicht dabei, einen Riemen durch ein paar Hosenschlaufen zu ziehen.

Sie schnallt seit einigen Saisonen unbeirrt Ledergürtel um ihre Tweed-Mäntel wie um ihre Blazer. Und nein, Michelle Obama macht sie damit keine Konkurrenz. Die amerikanische First Lady inszeniert nämlich schon seit Jahr und Tag um die Taille herum ein Feuerwerk an Gürtel-Ideen: Mal legt sich eine breite Borte um Kleid und Cardigan, mal glitzert es, was das Zeug hält. Kurzum: Michelle Obamas dekorative Highlights über der Hüfte sind Lichtjahre von den unprätentiösen Schlingeln um Emmanuelle Alts Marant-Mänteln entfernt.

Dabei hat Michelle Obama grundsätzlich gar nicht so unrecht. Gürtel müssen gerade nicht zwangsläufig eine Funktion erfüllen. Sie dürfen gern auch reines Dekorationsobjekte sein. Nur, und da kommt der Haken: Danach aussehen sollen sie in diesem Herbst nicht: Übertriebenes Bling Bling oder sinnloses Gehänge hat um die Taille herum nichts zu suchen.

foto: apa/epa/doug mills
Michelle Obama mit auffälligem Gürtel am 21. Jänner 2013.

Einer, der in dieser Hinsicht gerade die Richtung vorgegeben hat, ist Nicolas Ghesquière. Und der muss es wissen. Als neuer Chefdesigner für Louis Vuitton hat er eine sichere Nase für alles, was sich verkauft. Es kann also kein Zufall sein, dass er in seinem Debüt fast der Hälfte seiner Entwürfe einen Ledergürtel umlegte. Deren Enden müssen noch nicht einmal wie bei Emmanuelle Alt in eine lässige Form gewurschtelt werden. Denn statt mit einer Schnalle wird der Gürtel von einem Knopfverschluss gehalten.

foto: ap/brinon

Gegen so viel pseudofunktionales Understatement sieht nicht nur die First Lady alt aus. Auch die Gliederkette von Moschino mit den goldenen Buchstaben, die Jeremy Scott für diese Saison aufpoliert hat, kommt dagegen nicht an. Sie mag der weltweit meist kopierte Markengürtel sein. Doch wer möchte 2014 noch von einem Label so offensichtlich an die Kette gelegt werden?

foto: apa/epa/handout

Erinnert sowieso viel zu sehr an die Achtziger. Damals schnallte sich Madonna einen Gürtel um ihr spitzenbesetztes Bühnen-Brautkleid. Auf dem stand in Großbuchstaben "Boy Toy". Wir erinnern uns vage: Mit so was konnte man vor dreißig Jahren noch provozieren. (Anne Feldkamp, derStandard.at, 8.10.2014)

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