Carinthischer Sommer trennt sich von Langzeit-Intendant Schlee

7. Oktober 2014, 10:59
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Differenzen zwischen Verein und Intendant

Ossiach - Das Festival Carinthischer Sommer in Ossiach und Villach in Kärnten trennt sich von seinem langjährigen Intendanten Thomas Daniel Schlee. In einer Generalversammlung am 7. November wird die Auflösung des Vertrages mit Schlee mit Ende des Jahres 2015 vorgeschlagen, teilte Festival-Obfrau Walburga Litschauer am Dienstag in einem Schreiben mit.

"Der Verein steht im nächsten Jahr vor einer längst fälligen Anpassung seiner Statuten und Strukturen, die sich in weiterer Folge auch auf die Dienstverträge auswirken werden und vom bisherigen Intendanten in dieser Form nicht mitgetragen werden können", erklärte Litschauer. Deshalb werde die Intendanz für die Zeit ab 1. Jänner 2016 bald ausgeschrieben. Alle notwendigen Beschlüsse müssten jedoch selbstverständlich erst von der Generalversammlung gefasst werden, so die CS-Obfrau.

Schlee leitete das Festival in Kärnten seit 2004. Litschauer bedauerte das Ende seiner Intendanz. "Durch seine internationalen Verbindungen als renommierter Komponist hat er seiner Intendanz eine unverwechselbare Note verliehen, wofür wir ihm zu großem Dank verpflichtet sind. Mit seiner 2007 von ihm komponierten Kirchenoper 'Ich, Hiob' hat Schlee in schwierigen Zeiten das von ihm geleitete Festival beschenkt", sagte Litschauer.

Schlee: Neuer Fördervertrag "inakzeptabel"

Thomas Daniel Schlee hat in einer schriftlichen Reaktion die Aussendung des Vereines Carinthischer Sommer, in der sein Abgang aus Ossiach bekannt gemacht worden ist, als "Vorgriff auf die Generalversammlung" bezeichnet. Der vom Land Kärnten vorgelegte Fördervertrag enthalte "Inakzeptables" und "Schädliches für das Festival", kritisierte der scheidende Intendant.

Die vom Verein geplanten Veränderungen seien "mit einer merklichen Einschränkung" der Entscheidungsfreiheit des Intendanten und Geschäftsführers des Festivals verbunden. Diese erachte er angesichts der ohnehin schwierigen Arbeitsbedingungen für ein anspruchsvolles kulturelles Unternehmen in Kärnten als kontraproduktiv, daher könne er sie auch nicht mittragen. Das und der Fördervertrag habe ihn zu der Entscheidung gebracht, den Carinthischen Sommer mit Ende 2015 zu verlassen.

Schlee wies auf seine Erfolge hin und meinte, er habe der mit einer weitverbreiteten Kommerzialisierung auch des klassischen Musikbetriebes einhergehenden Verarmung des Repertoires nach Kräften entgegenzuwirken versucht. Dazu habe er zahlreiche neue Spielstätten eingeführt, welche die Atmosphäre des Festivals bereichert hätten, vom Steinhaus Günther Domenigs bis zum Omya-Werk in Gummern. Schließlich dürfe er auch darauf verweisen, dass - allen Widrigkeiten zum Trotz - die kaufmännischen Ergebnisse des Festivals positiv gewesen seien. Dies sei "im Kärntner Kontext weder eine Selbstverständlichkeit noch eine leicht zu bewältigende Aufgabe". (APA, 7.10.2014)

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