AUA kommt Kollektivvertrag näher

7. Oktober 2014, 23:14
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Der wirtschaftliche Druck auf die AUA im Poker um das Dienstrecht steigt, eine Lösung ist in Sicht

Wien - AUA und Verkehrsgewerkschaft Vida sind einem neuen Kollektivvertrag (KV) offenbar große Schritte nähergekommen. Wiewohl die kolportierte Einigung in Verhandlungskreisen nur als "Rohgerüst" beschrieben wird, scheint sie so tragfähig, dass die AUA-Mutter Lufthansa über Eckpunkte und Zielsetzung des neuen Vertragswerks noch am Montagabend informiert wurde.

Komme aus Frankfurt ein positives Signal, würden Verhandlungen über Details aufgenommen, um so rasch wie möglich zu einem Abschluss zu kommen, sagten mit den Verhandlungen vertraute Personen am Dienstag zum STANDARD.

Vergleichsangebot der AUA

Zentraler Punkt des neuen KV ist demnach ein Vergleichsangebot der AUA, mit dem die seit dem fliegenden Transfer der AUA-Belegschaft in den billigeren Tyrolean-KV vor zwei Jahren aufgelaufene Gehaltsansprüche abgegolten werden. "Vergangenheitsbewältigung ist selbstverständlich Teil des neuen Pakts zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern", betonen mit der Materie befasste Beobachter. Dieser Punkt gilt als essenziell für die betroffenen rund tausend Piloten und zweitausend Flugbegleiter der AUA, haben sie doch Anspruch auf Leistungspensionen, Abfertigungen und Jubiläumsgelder, deren Gesamtvolumen auf mehr als 100 Millionen Euro taxiert wird. Scheitert eine Einigung, müsste jeder Einzelne klagen, was gewöhnlich die Auflösung eines Dienstverhältnisses nach sich zieht. Dennoch sind rund 600 Klagen anhängig. Zugleich stellen derartige Nachzahlungen für die ohnehin flügellahme AUA ebenso eine existenzielle Bedrohung dar wie höhere Personalkosten.

Zur grundsätzlichen Einigung wollten am Dienstag weder AUA noch Gewerkschaft Stellung nehmen. Man habe absolutes Stillschweigen vereinbart, hieß es.

Klar scheint Arbeitsrechtexperten freilich, dass der neue AUA-Tarifvertrag nicht so kostengünstig gestaltet sein wird wie der jüngst von der Privatangestelltengewerkschaft GPA geschmiedete Flyniki-KV. Die Flugbranche bleibt zersplittet zwischen zwei Teilgewerkschaften, kritisieren Branchenkenner, die Chance auf einen Branchen-KV sei vergeben.

Verhandlungen am Mittwoch

Zustimmung oder grünes Licht zum neuen Vertragswerk durch den am späten Dienstagnachmittag zu einer Sondersitzung versammelten AUA-Aufsichtsrat (der praktischerweise in Frankfurt tagte) war eher nicht zu erwarten. Erhofft wurde aber ein Signal, ob der angepeilte Kurs weitergeflogen wird. Von selbigem hängt ab, wie das für Mittwoch anberaumte Gespräch von AUA-Führung und Sozialpartnern verlaufen wird. Nicht nötig ist dem Vernehmen nach eine Urabstimmung über den neuen KV.

Hauptthema der Sondersitzung war das Konzept des AUA-Vorstands für die wirtschaftliche Weiterführung des Unternehmens, in dem der neue KV natürlich einen Eckstein darstellt. Präsentiert wurden auch "Alternativmodelle": radikale Schrumpfkur, Streichung der Langstrecke oder Umwandlung in eine Billigairline.

Zur Annäherung gezwungen wurden die bis dahin heillos zerstrittenen Verhandlungspartner vom Europäischen Gerichtshof (EuGH), der den eilig gekündigten alten KV wiederbelebt und die AUA zur Nachzahlung verdonnert hat. (ung, APA, DER STANDARD, 8.10.2014)

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