Eugenie Bouchard, der Pöstlingberg, die Weltspitze

7. Oktober 2014, 10:12
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Sie ist heuer auf der Tour so richtig durchgestartet. Trotz Weltranglistenrang sechs bleibt die Kanadierin auf dem Boden, gibt diese Woche die Nummer eins in Linz

Linz - "Hier ist so viel saubere Luft", sagt Eugenie Bouchard. Dass Linz nicht immer für gute Luft bekannt war, wird die Kanadierin, die am Donnerstag aus China angereist war, eher nicht gewusst haben. "Es ist nett. Das Wetter erinnert mich an Kanada", sagt sie noch. Auf den Pöstlingberg ist sie auch gefahren. "Wirklich cool." Der Grund für den Besuch der 20-Jährigen in Oberösterreich ist trotzdem ein anderer. Die Weltranglisten-Sechste gibt die Nummer eins des WTA-Turniers Generali Ladies in Linz. Zum Auftakt trifft sie auf Österreichs Nummer eins, Patricia Mayr-Achleitner. Bouchard: "Ich weiß nicht viel über sie." Die Kanadierin gilt als Favoritin auf den Turniersieg. In Peking unterlag sie zuletzt der Deutschen Sabine Lisicki. Die ist auch in Linz, genauso wie die schon zweifache Linz-Siegerin Ana Ivanovic aus Serbien, die Slowakin Dominika Cibulkova und Andrea Petkovic (Deutschland).

Aber Bouchard schaut mehr auf sich als auf die Gegnerinnen. Erstmals wird sie heuer beim Saisonfinale der besten acht Spielerinnen des Jahres, in zwei Wochen in Singapur, dabei sein. "Ich bin super aufgeregt." Bouchard gibt sich gute Chancen. "Ich glaube an mich." Selbstredend ist 2014 das beste Jahr von "Genie" Bouchard. Sie begann es als 32. der Weltrangliste. Ihr Auftreten ist äußerst selbstbewusst. Als Genie sieht sie sich aber nicht. "Das wäre anmaßend." Genial würde sie einen Grand-Slam-Titel finden. Heuer war sie schon ziemlich knapp dran. In ihrem zweiten Jahr auf Major-Ebene erreichte sie das Finale von Wimbledon sowie das Halbfinale der Australian und der French Open.

Wie Justin Bieber

"Ich bin sehr stolz auf das, was ich erreicht habe." Sie flippt deshalb nicht aus. "Ich bin nie zufrieden, ich will noch viele Grand-Slam-Finale spielen", sagte Bouchard nach der Finalniederlage gegen Petra Kvitova in London. Dort würde sie auch am liebsten ihren ersten Major-Titel holen, wenn sie wählen dürfte. "Wimbledon ist das prestigeträchtigste Turnier. Ich liebe Wimbledon. Ich liebe Gras." Auf Juniorinnen-Ebene gewann sie diesen Titel 2012. Bei den Erwachsenen hat sie einen Turniersieg zu Buche stehen, jenen von Nürnberg heuer im Mai. Ausgeflippt ist sie auch deshalb nicht. Bouchard ist nicht der Typ dafür. Dass sie wenig Emotionen zeigt, "mögen manche, manche nicht. Man kann nicht jeden zufriedenstellen."

In Kanada ist Bouchard, die bisher beste Tennisspielerin ihres Landes, ohnehin eine Riesennummer. Wie Justin Bieber. Ja, den mag sie. Und Christina Aguileras Song Genie in a Bottle, den sie zu ihrem erkoren hat. "Ich stelle mir vor, dass er für mich geschrieben wurde. Schließlich enthält er meinen Namen." Der Song erschien 1999, Bouchard war da sieben, spielte immerhin schon zwei Jahre lang Tennis.

Gutes Essen mag Bouchard auch noch. Bei dem Thema wird sie glatt zum Plaudertäschchen. Mannerschnitten etwa hat sie gern - und Spätzle. Die kocht ihre Tante, eine Halbösterreicherin. Ja, Österreich hat auch kulinarisch was zu bieten. Diese Woche bietet sich zum Durchkosten an. Vorerst aber ging's zum Durchprobieren. Das richtige Kleid für die Players Party sollte gefunden werden. "Es wird schon etwas dabeisein." Der richtige Moment für den zweiten Turniersieg könnte der Sonntag sein. Bouchard würde vermutlich nicht ausflippen. (Birgit Riezinger, DER STANDARD, 7.10.2014)

  • Eugenie Bouchard schaut mehr auf sich als auf die Gegnerinnen. "Ich bin nie zufrieden, ich will noch viele Grand-Slam-Finale spielen." Ihr erster ganz großer Titel scheint nur eine Frage der Zeit.

    Eugenie Bouchard schaut mehr auf sich als auf die Gegnerinnen. "Ich bin nie zufrieden, ich will noch viele Grand-Slam-Finale spielen." Ihr erster ganz großer Titel scheint nur eine Frage der Zeit.

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