Joshua Cohen: Neue Sprache für Hyperlinks und Marken-Imperialismus

6. Oktober 2014, 18:02
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Der US-Autor und sein Übersetzer Ulrich Blumenbach lesen am Dienstag in der Hauptbücherei Wien

Wie findet man ein zeitgemäßes Schreiben? – Das ist die Frage, die sich jede Literaturepoche zu stellen hat. Die aktuelle vielleicht ganz besonders. Niemals wurde vermutlich so viel und flächendeckend geschrieben wie in der modernen westlichen Welt, nie wurde so viel Kommunikation betrieben.

Einer der Autoren, die eine literarische Form gefunden haben, mit der dieser Gegenwart beizukommen ist, ist Joshua Cohen. In seinem jüngsten Erzählband Vier neue Nachrichten beweist er, dass er ganz zu Recht mit Größen wie David Foster Wallace verglichen wird. Heute, Dienstag, liest der 1980 in New Jersey geborene Autor daraus in der Wiener Hauptbücherei. Der Band erzählt vom Leben im Internetzeitalter. Am plakativsten tut das die erste, nicht unbedingt beste der vier Geschichten. Emission handelt von einer jungen Frau, die an einem Internetpranger einen sexuell übergriffigen Drogendealer bloßstellt. Aus dem Täter wird hier das Opfer und wieder ein Täter. Das ist in seiner Dialektik spannend, aber wirklich meisterhaft ist eine andere der Geschichten: McDonald’s erzählt von der modernen Arbeitswelt und vor allem davon, wie sich Marken zu unumgehbaren Tatsachen der Lebenswelt aufschwingen; ähnlich unvermeidlich, wie es die Sonne am Himmel ist.

Worum es Cohen geht, das ist die Beziehung zwischen dem Text und den realen Erscheinungen. Darum geht es freilich jedem Autor. Cohen aber hat dafür in der Welt von Hyperlinks, Blogs und Marken-Imperialismus eine Sprache gefunden. Nachzuhören ist das in Wien. Begleitet wird er von seinem Übersetzer Ulrich Blumenbach, der die deutsche Lesung übernimmt. (hein, DER STANDARD, 7.10.2014)

7. 10., Hauptbücherei Wien, Urban-Loritz-Platz 2a, 19.00

  • Joshua Cohen liest aus "Vier neue Nachrichten".
    foto: adam gong

    Joshua Cohen liest aus "Vier neue Nachrichten".

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