Ein überraschender Finanzamtsbescheid

6. Oktober 2014, 17:43
1 Posting

Entlassene Burg-Vizedirektorin Silvia Stantejsky soll Steuern hinterzogen haben

Wien - Die Entlassung Silvia Stantejskys am 18. November 2013 hatte die ganze, derzeit vor Gerichten ausgebreitete Burgtheater-Misere ins Rollen gebracht: Damals wurde die Vizedirektorin und zuvor langjährige kaufmännische Geschäftsführerin des Hauses wegen des Verdachts, Burgtheatergelder für private Zwecke verwendet zu haben, ihres Amtes enthoben. In weiterer Folge wurden schwere buchhalterische Mängel festgestellt. Beides ficht Stantejsky an.

Die zweite Tagsatzung vor dem Wiener Arbeits- und Sozialgericht am Montag startete mit einem Knalleffekt: Es wurden neue, erst am 25. 9. ausgestellte Finanzamtsbescheide eingebracht (noch nichts rechtskräftig), die Stantejsky laut Richter Helge Eckert schwer belasten. Sie solle Abgaben, insbesondere betreffs Gagen von Gastschauspielern aus Deutschland, nicht oder nur teilweise abgeführt haben. Ob es überhaupt Sinne mache, diesen Prozess unter diesen Umständen weiterzuführen, fragte der Richter nicht nur rhetorisch. Stantejskys Anwältinnen Isabell Lichtenstrasser und Alice Epler werden dazu erst beim Folgetermin am Mittwoch Stellung beziehen. "Wir kannten diesen Bescheid bisher nicht."

Die Klägerin ist sich weiterhin keiner Pflichtverletzung bewusst. Zudem wiesen ihre Anwältinnen auf Mängel in dem von KPMG erstellten Prüfbericht hin. "Die argumentieren doch immer nur mit der Unüblichkeit der Barauszahlungen", so Epler.

Im Zeugenstand schildert Silvia Stantejsky dann in einem wesentlich sachlicheren Vorgang, als es der Hartmann-Prozess vor knapp zwei Wochen am selben Ort eine Etage höher vermochte, auf Bitte des Richters ihren beruflichen Werdegang. Sie erzählt von ihrer Diplomarbeit "Materialwirtschaft der Bundestheater", von ihrer Burgtheaterverbundenheit und den unterschiedlichen Arbeitsweisen der wechselnden Direktoren (Achim Benning, Claus Peymann, Nikolaus Bachler und Matthias Hartmann).

Ihre Tätigkeit als Geschäftsführerin sei insbesondere nach der Ausgliederung angewachsen, neue Abteilungen mussten eingerichtet werden. Sie war überfordert. Wichtiges Detail: "In Arbeitskreisen haben wir den Barauszahlungsmodus besprochen sowie Formulare dafür entwickelt." Ihr gegenüber wurde weder vonseiten des Holdingchefs Georg Springer noch vonseiten Hartmanns jemals Kritik laut. Dies ist übrigens ein Widerspruch zur aktuellen Aussage Hartmanns im eigenen Prozess. Dieser habe deshalb den Ökonomen Peter F. Raddatz geholt.

In den Zeugenstand sollen folgende Personen gerufen werden: Karin Bergmann, Katharina Konradi, Georg Soulek, Othmar Stoss, Thomas Königstorfer, Peter Stransky, Klaus Missbach und Andreas Beck sowie die Schauspieler Johannes Krisch, Christiane von Poelnitz, Daniel Jesch. Der Prozess wird am Mittwoch fortgesetzt. (Margarete Affenzeller, DER STANDARD, 7.10.2014)

Live-Ticker auf derStandard.at/Kultur 8. 10., ab 13 Uhr

  • Silvia Stantejsky ficht ihre Entlassung an.
Foto: APA/Schlager
    foto: apa/roland schlager

    Silvia Stantejsky ficht ihre Entlassung an.

    Foto: APA/Schlager

Share if you care.