Gewerkschaft protestiert gegen Schließung von Kasernen

6. Oktober 2014, 17:42
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Einsparungseffekte geringer als vom Generalstab vorgerechnet, Schaden unabsehbar

Wien - 600 bis 700 hauptberufliche Bedienstete des Bundesheeres wären von den Kasernenschließungsplänen von Verteidigungsminister Gerald Klug betroffen, schätzt der oberste Chef der Bundesheer-Personalvertretung, Willi Waldner, im Gespräch mit dem STANDARD. Was für die Betroffenen große persönliche Belastungen bringen wird, bringe aber dem Budget, anders als offiziell kommuniziert, sehr wenig: "Eingespart werden Betriebskosten - aber die Leute sind ja alle noch da. Die werden dann auf andere Kasernen verteilt und beziehen dabei sogar noch Trennungsgebühren, wenn auch nur zeitlich beschränkt, wie ich fairerweise dazusagen muss."

Frage der Betriebskosten

In der Gewerkschaft hat man über das Wochenende die vom Generalstab erarbeiteten Pläne nachgerechnet und kommt für das Bundesland Niederösterreich zu folgender Einschätzung: "Die gesamten Betriebskosten (Energie, Wasser, Reinigung, Wartung und Reparatur etc.) betragen bei allen Kasernen, die geschlossen werden sollen, im Jahr 2013 insgesamt zirka 1.560.000 Euro. Dies ist also der maximal erzielbare Einsparungsbetrag! Davon abzuziehen sind Mobilitätskosten für die Versetzung des Personals und die Investitionen für die Verdichtung an anderen Kasernenstandorten (es gibt keinen ungenützten Raum, Platz muss erst geschaffen werden!). Somit fällt der Einsparungseffekt pro Jahr noch viel geringer aus."

Die Schließungspläne fallen in die Startphase des Wahlkampfs für die am 28. und 29. November im gesamten öffentlichen Dienst stattfindenden Personalvertretungswahlen - bei denen sich Waldner gegen die von seinen Gegnern verbreiteten Gerüchte wehren muss, dass er etwa für die Schließung der Kaserne in Horn ausgesprochen habe. Waldner: "Im Gegenteil: Horn ist ein wichtiger Ausbildungsstandort, dort wurden seit 2002 rund zehn Millionen Euro investiert, allein drei Millionen in die 2005 eröffnete Werkstätte, wo sich alle der Lehrlingsausbildung beim Bundesheer rühmen. Und das will man zusperren? Oder die Bundesfachschule für Flugtechnik in Langenlebarn? Die gilt als einzigartige Ausbildungsstätte - eine unverständliche Schließung!" (Conrad Seidl, STANDARD, 7.10.2014)

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