Weberknechte "kleben" ihre Beute fest

11. Oktober 2014, 17:58
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Hafttröpfchen an den Mundwerkzeugen helfen den Weberknechten die Beute zu fassen

Kiel - Weberknechte erkennt man an den sehr langen, dünnen Beinen und am verwachsenen Vorder- und Hinterkörper. Ein Bein kann aus 100 Fußgliedern bestehen, ist sehr beweglich und kann wie ein Lasso um Grashalme geschlungen werden. Bei Gefahr können die Tiere ein Beinchen abwerfen, allerdings wachsen diese nicht mehr nach.

Außerdem können sie Überwinterungsgesellschaften bilden, die bis zu 70.000 Individuen umfassen. Bei geringen Störungen lösen sich diese sofort auf und die Tiere suchen das Weite. Sie gehören zur Klasse der Spinnentiere, besitzen aber keine Spinn- und Giftdrüsen. Sie sind also für uns harmlos. Weberknechte fressen kleine Insekten und Aas, allerdings wusste man bis dato nicht, wie sie ihre Beute fangen.

foto: karola winzer/ap
Eine Gruppe von rund 100 Weberknechten löst sich gerade auf.

Eine klebrige Angelegenheit

Wissenschafter der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel (CAU) und der Johannes Gutenberg Universität Mainz erforschten mit Hochgeschwindigkeitsvideoaufnahmen den Beutefang der Weberknechte. Die Aufnahmen zeigten, dass die Tiere eine klebrige Substanz absondern, um die Beute festzukleben. Die Ergebnisse findet man in der Fachzeitschrift "Journal of Experimental Biology".

Die klebrigen Tropfen werden von den Pedipalpen abgesondert. Pedipalpen sind Kiefertaster, befinden sich vor den Laufbeinen und werden oft mit ihnen verwechselt. Sie gehören aber zu den Mundwerkzeugen und werden zum Tasten und Fangen der Beute verwendet.

Gute Erfolgsquote

Die Forscher fütterten die Weberknechte mit Springschwänzen, sehr schnell beweglichen, insektenähnlichen Gliederfüßern. Die Weberknechte waren bei jedem zweiten Angriff erfolgreich, indem sie die Springschwänze mit 10 Mikrometer großen Tröpfchen festklebten.

Untersuchungen zeigten, dass die Flüssigkeit enorme Kräfte aushielt und nicht abriss. Ihre Eigenschaften ähneln Spinnenseide oder der Flüssigkeit von fleischfressenden Pflanzen. "Je mehr die Beute kämpft, desto mehr wird sie festgehalten. Eine tödliche Falle", so Wolff. (red, derStandard.at, 11. 10. 2014)

  • jonas wolff

    Ein Weberknecht klebt einen Springschwanz fest.

  • jonas wolff

    EIn Tröpfchen des Klebers wird in die Länge gezogen.

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