Pörtschacher Bürgermeister will Seilbahn über den See bauen

Blog7. Oktober 2014, 05:30
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Die jüngste Vision vom Wörthersee

"Kärnten kann mehr": Der griffige Oppositions-Slogan zur Kärntner Wendewahl 2013 sollte dem Land nach jahrzehntelanger ruinöser blau-oranger Misswirtschaft wieder ein wenig Selbstbewusstsein vermitteln. "Größer, höher, weiter" war die blaue Devise gewesen. Das Desaster um die Hypo-Alpe-Adria-Bank hat dann beispielhaft vor Augen geführt, wohin die damalige politische Selbstentfesselung führen sollte. Nicht nur der österreichische Steuerzahler wurde nachhaltig geschädigt, Kärnten selbst steht vor einem gigantischen Schuldenberg, der nur mit einer Radikalkur abgebaut werden kann.

Parade-Fremdenverkehrsort

Wer nun glaubt, in Kärnten wäre jetzt etwas mehr Zurückhaltung bei wirtschaftlichen Luftschlössern eingekehrt, der irrt. Am Wörthersee denkt man schon wieder weiter. Eine Seilbahn soll über den See gebaut werden und den in die Jahre gekommenen Parade-Fremdenverkehrsort Pörtschach mit Keutschach am südlichen Seeufer verbinden. Die Seilbahn soll zum Pyramidenkogel führen, dem höchsten Holz-Aussichtsturm der Welt. Gästen, und wohl nicht nur diesen, soll damit ein Panorama-Höhenflug ungeahnten Ausmaßes geboten werden.

Das wünschen sich jedenfalls einige "visionäre" Politiker. Schon seit Jahren beschäftigt sich der Pörtschacher Bürgermeister Franz Arnold (FPÖ) mit der Idee einer Panorama-Seilbahn auf den Pyramidenkogel. Zumal die Idee auch nicht neu ist, sondern schon in den 50er-Jahren für Furore sorgte. Realisiert wurde sie allerdings bisher nur auf einer alten Postkarte.

foto: apa/gert eggenberger

Dramatische Rückgänge

Und auf der anderen, der Südseite des Wörthersees sind die Bürgermeister Gerhard Oleschko (Keutschach) und Adolf Stark (Maria-Wörth) ebenfalls ganz und gar begeistert. Man arbeite bereits mit Touristikern auf Hochdruck an dem Projekt, ist zu hören. Im November soll es zu einer Vorentscheidung kommen. Alle drei Bürgermeister stammen - welch ein Wunder - aus dem freiheitlichen Lager, Stark hat der FPÖ allerdings 2013 den Rücken gekehrt. Einen gewichtigen Befürworter im Land hat man mit Tourismusreferent Christian Benger (ÖVP) auch schon gefunden.

Er glaubt auch, dass die Seilbahn über den Wörthersee eine "interessante Vision" ist und dass Kärnten "allein mit Baden baden gehen wird", sagte er kürzlich in einem Interview mit der "Kleinen Zeitung". Zumal Kärntens Tourismus ja auch teils dramatische Rückgänge zu verzeichnen hat. Man brauche also mehr Leuchtturmprojekte.

Ein solches war ja auch schon das Schlosshotel Velden gewesen, in das der damalige Hypo-Chef Wolfgang Kulterer auf Geheiß Jörg Haiders 120 Mio. Euro investieren musste. Erlöst wurden nach dem Notverkauf magere 50 Millionen, was zu Untreue-Ermittlungen durch die Staatsanwaltschaft Klagenfurt geführt hatte.

Stahlseilrutsche vom Pyramidenkogel

Kosten darf auch die jüngste Vision am Wörthersee etwas – nämlich die klitzekleine Kleinigkeit von 49 Millionen Euro. 24 davon würden in die Seilbahn fließen. Dazu soll es weitere Attraktionen geben, etwa eine Stahlseilrutsche vom Pyramidenkogel direkt in den Wörthersee. Für ganz besonders Mutige natürlich.

Ganz schön mutig wäre dabei wohl auch eine öffentliche Förderung der Panorama-Seilbahn. Bis 2015 muss jedenfalls jedes Regierungsressort 25 Prozent einsparen. Auch beim Kärntner Wirtschaftsförderungsfonds KWF herrscht das Diktat der schmalen Kassen. Weil kaum mehr Geld da sei, würden Klein- und Mittelbetriebe bei künftigen Förderungen dann leer ausgehen, befürchtet die Wirtschaftskammer.

Zudem muss das Land Kärnten jetzt auch noch rund 180 Millionen Euro Hypo-Partizipationskapital in den Wind schreiben. Dieses war noch 2009 in die Hypo eingezahlt worden und ist jetzt nach diversen Kapitalschnitten völlig aufgezehrt. Das heißt die Partizipationsscheine haben null Euro Barwert. Zudem drohen weitere Hypo-Abschreibungen in der Leasing-Sparte von 3,6 Milliarden, berichtet das Format.

Mastermind Petzner

Dessen ungeachtet träumen Politiker noch immer davon, mit der Panorama-Seilbahn hoch über dem Wörthersee zu schweben. Offenbar dürften sie noch nicht in der Kärntner Realität angekommen sein.

Aber vielleicht hoffen sie ja auf die neue Werbeagentur von Jörg Haiders ehemaligem PR-Mastermind Stefan Petzner. Der berät zwar jetzt das Kärntner Team Stronach. Macht nix: Auch Frank Stronach besaß einst ein Schloss am Wörthersee. Fragt sich nur, wie lange sich Kärnten noch Luftschlösser leisten kann. (Elisabeth Steiner, 7.10.2014)

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