Österreicher gehen ungern für den Job ins Ausland

7. Oktober 2014, 13:10
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Mehr als 200.000 Arbeitskräfte aus 189 Ländern wurden befragt, ob sie für einen Job ins Ausland gehen würden. Österreicher zieht es wenn, mehr ins benachbarte Ausland

"Decoding Global Talent" ist eine der bislang größten Erhebungen zum Thema Jobmobilität, die von der Strategieberatung The Boston Consulting Group (BCG) gemeinsam mit der Online-Jobbörse StepStone erstellt wurde. Weltweit wurden 203.756 Arbeitnehmer aus 189 Ländern dazu befragt, ob sie für einen Job ins Ausland gehen würden. Und falls ja, wohin und was müsste dieser Job bieten?

Weltweit, so die Studie, seien durchschnittlich zwei von drei Arbeitnehmern grundsätzlich bereit, eine Stelle im Ausland anzunehmen - in Österreich würde nur jeder Zweite diesen Schritt tun. Vor allem für die talentiertesten und am besten ausgebildeten Talente seien nationale Schranken schon längst gefallen, sagt Rainer Strack, Co-Autor der Studie und BCG Senior Partner.

Besonders in den wirtschaftlich wenig entwickelten Ländern sei die Bereitschaft für den Job ins Ausland zu gehen hoch - Pakistan führt diese Liste an. 97 Prozent der dort Befragten könnten sich das vorstellen. Aber auch in führenden Industrieländern sei die Jobmobilität punktuell besonders hoch, heißt es weiter. In Frankreich etwa würden 94 Prozent für den Job ins Ausland ziehen. In der Schweiz sind das immerhin noch 77 Prozent - 26 Prozent mehr als in Österreich, laut Studie.

Jung und vergleichsweise immobil

Als noch weniger mobil als die Österreicher erweisen sich laut Untersuchung die Deutschen (44 Prozent). Überraschend für die Studienautoren war zudem die vergleichsweise geringe Mobilität unter den befragten Österreichern im Alter zwischen 21 und 30 Jahren (im globalen Vergleich). Am meisten ziehe es die Österreicher nach Deutschland (41 Prozent), in die Schweiz (36 Prozent), nach Großbritannien (33 Prozent), die USA (29 Prozent) und nach Kanada (25 Prozent).

Österreich hingegen sei insbesondere für Arbeitskräfte aus süd- und südosteuropäische Staaten ein attraktives Ziel - etwa für Arbeitnehmer aus Bosnien-Herzegowina (61 Prozent), Slowenien (59 Prozent) oder Serbien (55 Prozent), heißt es weiter. Wien etwa befinde sich auf Platz 17 der begehrtesten Plätze für einen Arbeitsaufenthalt im Ausland. Auf Rang 1 liegt hier London, gefolgt von New York und Paris.

Persönliche Entwicklung, besserer Verdienst

Der wichtigste Grund, um den jobtechnischen Schritt ins Ausland zu wagen ist, laut Studie, weltweit als auch in Österreich die Chance neue persönliche Erfahrungen zu sammeln. Global spielen bessere Karrieremöglichkeiten sowie ein möglicherweise höherer Verdienst eine ausschlaggebende Rolle. Für die befragten Österreicher sei wichtiger einfach in einer fremden Kultur zu leben als sich dort einer beruflichen Herausforderung zu stellen, heißt es weiter.

Klassische Faktoren wie Gehalt oder die Übernahme von Verantwortung scheinen die potenziell im Ausland Arbeitenden nicht zu treiben: Am wichtigsten seien für Jobsuchende ihre eigene Weiterentwicklung, die Wertschätzung der eigenen Arbeit und ein gutes Verhältnis zu Kollegen.

Faktoren, die Arbeitgeber unbedingt auf ihren Radaren halten sollten, so die Studienautoren, vielmehr noch sollten die Unternehmen ihre Stärken als Arbeitgeber intern wie extern herausstellen, damit ihre besten Mitarbeiter - in Anbetracht der Studienergebnisse möglich - nicht ins Ausland abhanden kommen. (haa, derStandard.at, 7.10.2014)

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