Wie chronische Darmbeschwerden entstehen

6. Oktober 2014, 11:49
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Durchfall und Bauchschmerzen können viele Ursachen haben - am häufigsten stecken Probleme mit Nahrungsmitteln dahinter

In Österreich leiden schätzungsweise 30.000 Menschen unter einer chronisch entzündlichen Darmkrankheit (CED), Colitis ulcerosa und Morbus Crohn sind die häufigsten von ihnen. Meist brechen CED im Alter zwischen 20 und 30 Jahren aus. Durch die Vererbung, Umwelteinflüsse oder andere noch ungeklärte Faktoren ist die Barriere im Darm durchlässiger für Bakterien. Sie dringen in die Darmwand ein, und der Körper reagiert mit einer überschießenden Abwehr. Der Darm entzündet sich, was schubweise Beschwerden auslöst.

Bei Morbus Crohn tritt die Entzündung vom Mund bis zum After auf, meist aber im Dickdarm oder am Ende des Dünndarms. Gesunde wechseln mit kranken Bereichen ab. Bei Colitis ulcerosa entzündet sich nur der Dickdarm, dafür kontinuierlich und am stärksten im Enddarm. Am häufigsten äußern sich CED durch chronischen Durchfall, krampfartige Bauchschmerzen und Blut im Stuhl.

Viele mögliche Ursachen

"Durchfall und Bauchschmerzen können aber noch Dutzende von anderen Ursachen haben", sagt Gerhard Rogler, Leitender Gastroenterologe an der Uniklinik in Zürich. "Die Ursache zu finden gleicht einem Detektivspiel." Am häufigsten stecken Probleme mit Nahrungsmitteln dahinter.

Bei einer Allergie reagiert das Immunsystem übermäßig stark auf bestimmte Proteine im Essen, zum Beispiel auf Casein oder Lactalbumin in der Milch oder in Nüssen, im Hühnereiweiß oder in Fisch. Bei einer Nahrungsmittelintoleranz oder -unverträglichkeit fehlen dem Körper wichtige Substanzen (Enzyme) für die Verdauung, etwa die Laktase, die den Zucker in der Milch spaltet. Das verursacht Blähungen, Bauchschmerzen oder Durchfall nach Milchgenuss.

Im Gegensatz zur Allergie vertragen die Betroffenen aber noch mehr oder weniger Milch, je nachdem wie gut das Enzym noch funktioniert. Zöliakie entsteht durch eine Immunreaktion gegenüber Gluten, dem "Klebereiweiß" in Getreide. "Das kommt viel häufiger vor, als wir dachten", sagt Rogler. Isst der Betroffene Weizen- oder andere Getreideprodukte, entzündet sich die Dünndarmschleimhaut und bildet sich zurück. Dadurch können andere Nährstoffe nicht mehr richtig aufgenommen werden. Kinder wachsen nicht richtig, und einige Patienten sind ständig müde wegen Eisenmangel.

Funktionelle Beschwerden

Im Unterschied zu CED treten die Beschwerden bei Nahrungsmittel-Problemen im Zusammenhang mit dem Essen auf. Tut es vor allem weh, wenn man Stress hat, wechseln sich Durchfall und Verstopfung ab und treten nie nachts auf, könnten funktionelle Darmbeschwerden dahinter stecken. Dabei lassen sich keine Veränderungen an einem Organ nachweisen, aber der Patient hat trotzdem Schmerzen.

"Das könnte daran liegen, dass die Nerven im Darm der Betroffenen empfindlicher reagieren", sagt Rogler. "Eine Dehnung des Darms durch Stuhl verursacht normalerweise keine Schmerzen, bei ihnen aber schon." Manchmal findet leider auch der beste Experte keine Ursache. "Vielleicht schlägt einem dann dauerhaft etwas auf den Magen – Stress im Job, Probleme mit der Familie oder andere Sorgen", sagt Rogler. "Ein Gespräch mit einem Psychologen oder Psychiater kann dann wahre Wunder wirken." (Felicitas Witte, DER STANDARD, 4.10.2014)

Hilfe zur Früherkennung

bietet ced-check.at: Beantwortet man eine der Fragen 1-6 mit "Ja", weist das auf eine CED hin - am besten sofort zum Arzt gehen.

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    foto: dpa/martin gerten

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