Deutsch in Schulklassen: Zahlen von Strache und Kurz relativiert

6. Oktober 2014, 10:24
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SOS Mitmensch macht Umfrage an Schulen und mahnt zu "mehr Sachlichkeit in der Debatte"

Wie - Klassen mit lauter Kindern ohne Deutschkenntnisse in Wien orteten FP-Chef Heinz-Christian Strache und der auch für Integration zuständige Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) im Sommer. Die NGO SOS Mitmensch begab sich nun auf die Suche nach diesen Klassen - und fand wie auch der Stadtschulrat keine.

SOS Mitmensch stützt sich auf einen Rundruf an 42 Wiener Volks- und 26 Haupt- und Neuen Mittelschulen in den migrantenreichen Wiener Bezirken Favoriten, Rudolfsheim-Fünfhaus, Ottakring und Brigittenau. Ergebnis: Selbst in Klassen mit ausschließlich Schülern nichtdeutscher Muttersprache beherrschte dort mindestens die Hälfte Deutsch. Für SOS-Mitmensch-Sprecher Alexander Pollak ist dieses Ergebnis Beleg dafür, dass eine pauschale Gleichsetzung von nichtdeutscher Muttersprache und fehlenden Deutschkenntnissen falsch sei.

Bestätigung vom Stadtschulrat

Auch im Stadtschulrat bestätigt man das Ergebnis: Könne ein Kind nicht Deutsch, werde es als außerordentlicher (a.o.) Schüler geführt. Klassen nur mit a.o. Schülern gebe es aber nicht. Auch im vergangenen Schuljahr sei das nicht der Fall gewesen, betont ein Sprecher des Stadtschulrats.

Pollak mahnt daher die Politiker zu "mehr Sachlichkeit in der Schuldebatte", gerade von Kurz erwarte er einen sachlicheren Zugang. "Wir sind gegen Schönfärberei, wir halten aber auch nichts davon, wenn überzeichnete Bilder von der Situation an österreichischen Schulen fabriziert werden", so der SOS-Mitmensch-Sprecher in einer Aussendung.

FPÖ gegen "gutmenschliche Realitätsverweigerer"

Die Wiener FPÖ hält die Organisation SOS Mitmensch aufgrund ihrer Recherchen zu Klassen mit Kindern ohne Deutschkenntnisse für "gutmenschliche Realitätsverweigerer". "Die Erkenntnis von SOS-Mitmensch, dass es keine Klassen gäbe, in denen ein Gutteil der Schüler nicht ohnehin Deutsch sprechen würden, ist mehr als absurd", so FP-Klubobmann Johann Gudenus in einer Aussendung.

Die Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl (SPÖ) ist sich "der Herausforderung bewusst, allen Kindern tatsächlich ausreichende Deutschkenntnisse zu vermitteln, und wir nehmen diese Herausforderung an". Gleichzeitig sei es aber auch nötig, falschen Vorurteilen entgegenzutreten, so Brandsteidl - die von FPÖ-Obmann Heinz-Christian Strache behaupteten Klassen, in denen kein einziges Kind Deutsch beherrscht, gebe es aber nicht. "Differenzierung ist eine Intelligenzleistung, die man auch von freiheitlichen Oppositionspolitikern erwarten darf." (APA, 6.10.2014)

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