Jubel für Schwabs "Präsidentinnen" im Schauspielhaus Graz

6. Oktober 2014, 07:07
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Inszenierung der Schweizerin Simone Blattner

Graz - Es wird wieder Schwabisch gesprochen - flüssiges, schönstes Schwabisch, wie man die aus Versatzstücken von Dialekt und Umgangssprache geschaffene Kunstsprache des vor 20 Jahren verstorbenen Grazer Dramatikers Werner Schwab nennt. Mit Die Präsidentinnen, jenem Stück, das 1990 den Durchbruch brachte, sind die drei besserwisserischen, abgründigen, giftig bösen und doch nur sehr unglücklichen Frauen Erna, Grete und Mariedl, nach dem Volkstheater in Wien im Frühjahr, nun auch wieder in Graz eingekehrt.

Mit der Inszenierung betraute man hier die Schweizerin Simone Blattner. Die drei Schauspielerinnen, welche die papsttreue Erna, die lüsterne Grete und die mit Passion Klos ausräumende Mariedl spielen, könnten verschiedener nicht sein: Birgit Stöger, Steffi Krautz und Verena Lercher drücken ihren Figuren jeweils ihren ganz besonderen Stempel auf, ohne respektlos mit den Figuren und ihrer Sprache umzugehen. Einer Sprache, die Schwab erst in späteren Stücken noch eine Windung höher ins Künstliche schraubte. Da spielt sich keine in den Vordergrund auf der treffend als schräge Ebene angelegten Bühne von Thilo Reuther, auf der man jederzeit von Freundlichkeit in Rachegelüste, von Träumereien über die Jugend und die Liebe in die mörderischsten Tiefen menschlicher Gemeinheiten abrutschen kann.

Alle drei geben sie den monströsen Frauen auch kurz aufblitzende menschliche Züge. Stöger oszilliert wunderbar zwischen der strengen Katholikin und der in aller Prüderie Verliebten: Ein Fleischer, der ausgerechnet wie der polnische Papst aus Schwabs Zeiten heißt, hat ihr kleines Herz im Griff. Krautz gibt die frivole Hündchenbesitzerin Grete ebenso überzeugend wie Lercher ihre fast nerdige Klofrau Mariedl. Dass Mariedl scheinbar den braunen Dreck eines ganzen Volkes wegräumt, - nein, nein, das ist natürlich keine Metapher für latent weiterlebende Geschichte. Wie brüllt Erna ins Publikum: "In Wirklichkeit war niemand ein Nazi in unserem Land, höchstens eine Handvoll." Das Publikum feierte die drei Schauspielerinnen mit kräftigem, langem Applaus. (cms, DER STANDARD, 6.10.2014)

Nächster Termin: 7. 10., 19.30

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