Humanitärer Touch für Stiftungen

6. Oktober 2014, 05:30
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Die Mehrzahl der 3300 österreichischen Stiftungen hat derzeit keine gemeinnützigen Ziele. Das könnte sich ändern

Wien - Mit der Ankündigung von Staatssekretär Harald Mahrer (ÖVP) im STANDARD, noch heuer ein Gesetz zur Förderung gemeinnütziger Stiftungen auf den Weg bringen zu wollen, würde einer langjährigen Forderung von NGOs (Non-Profit-Organisationen) entsprochen. Denn das Beispiel in Deutschland zeige, dass ein sicherer Rechtsrahmen den philanthropischen Stifter stärker dazu animiert, sein Geld in sinnstiftende Projekte zu stecken, als wenn kein solcher Rechtsrahmen besteht, erläutert Philipp Hof, Geschäftsführer des "Haus des Stiftens". Die Münchner Organisation hilft Stiftungen, Privatpersonen und Unternehmen dabei, eine Stiftung aufzusetzen und zu führen.

In ganz Europa finanzieren 110.000 Stiftungen gemeinnützige Einrichtungen und Projekte mit einer Summe von 83 bis 150 Milliarden Euro. Anders in Österreich: Mit jährlichen Zuwendungen von bescheidenen 20 bis 25 Mio. Euro spielen sie in Österreich eine ziemliche Nebenrolle in der Finanzierung gemeinnütziger, sozialer Projekte oder Forschungsziele. Stiftungen in Deutschland schütten jährlich 50-mal mehr Mittel an gemeinnützige Projekte aus als österreichische, nämlich 15 Milliarden Euro. In Deutschland sind 95 Prozent aller Stiftungen gemeinnützig, in Österreich hingegen bloß sechs Prozent.

Doch können Zuwendungen philanthropischer Natur dazu beitragen, die wachsenden Widersprüche in der Gesellschaft abzumildern, erklärt Hof. "Die Schere zwischen Arm und Reich geht immer weiter auseinander." Abseits von Steuern auf Kapital könne es mit gemeinnützigen Stiftungen zu einer - für reiche Personen schonenden - Umschichtung von oben nach unten kommen.

Gemeinnutz (nicht) im Fokus

Als Besonderheit gebe es in Deutschland auch gemeinsam von mehreren Personen/Firmen betriebene Stiftungen, die genau auf die Zielsetzung einer Kommune zugeschnitten sind. Da wird zum Beispiel Jugendarbeitslosigkeit bekämpft oder die Obdachlosigkeit in einer Stadt. Die Beträge, die in die Stiftung dafür fließen, können unterschiedlich hoch sein und betragen in der Regel zwischen 25.000 und einer Million Euro, je nach finanzieller Potenz des Stifters.

Gemeinnützigkeit steht bei den etwa 3300 österreichischen Privatstiftungen nicht an erster Stelle, weshalb Stiftungen hierzulande auch keinen besonders guten Ruf genießen, weiß man beim Fundraising Verband Austria. Zwar gibt es ein paar Stiftungen mit gemeinnützigen, sozialen Zielen oder Forschungszielen. Beispielsweise die private Forschungsstiftung "Wings for Life" von Dietrich Mateschitz (Suche nach Heilmethoden für Querschnittspatienten) oder die Lupac-Stiftung (gemeinnützige Stiftung des Parlaments, mit der ein Demokratiepreis vergeben wird). Diese sind aber in der Minderheit.

Die österreichischen Privatstiftungen mit einem Veranlagungsvermögen von rund 80 bis 100 Mrd. Euro haben vor allem Mehrung und Sicherung des jeweiligen Privatvermögens zum Ziel. Veranlagt sind sie zu 60 Prozent in Unternehmensbeteiligungen, 20 Prozent in Immobilien und der Rest in Wertpapieren und Liquidität. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, 6.10.2014)

  • Gemeinnützige Stiftungen, die in Forschung oder soziale Projekte investieren, sind in Österreich in der Minderheit.
    foto: dpa/warmuth

    Gemeinnützige Stiftungen, die in Forschung oder soziale Projekte investieren, sind in Österreich in der Minderheit.

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