Kampf gegen IS: Glaubwürdigkeitsproblem

Kommentar5. Oktober 2014, 17:27
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Allianz wird in der Region feindselig aufgenommen

Da war Joe Biden wohl kurz entfallen, wer aller an der US-geführten Allianz gegen den "Islamischen Staat" (IS) teilnimmt: Der US-Vizepräsident löste große Irritation aus, als er in einer Rede sowohl die Türkei als auch die arabischen Golfstaaten als Unterstützer radikaler islamischer Gruppen nannte. Ankara und - stellvertretend - Abu Dhabi protestierten, wobei beide, Türken und Araber, einander beschuldigten, das zu tun, was ihnen Biden vorwirft. Sie will nicht so recht abheben, diese Allianz, bei der die Teilnahme sunnitischer Staaten als Beweis dienen sollte, dass die IS nichts mit dem Islam zu tun hat.

Vielleicht noch bedenklicher ist, wie lau und fast feindselig viele Menschen in der Region die Allianz aufnehmen. Auch die syrische Opposition ist skeptisch: Ihr geht eine Klarstellung ab, was das Eingreifen gegen Feinde des Assad-Regimes für die zukünftige Ordnung des Landes bedeuten soll. Dazu kommen die zivilen Opfer der Angriffe.

Verstörende Hinweise, wie manche Menschen, die nicht am Ort des Geschehens sind, mit den Verbrechen der IS umgehen, finden sich im Internet: Eine Meldung über eine Massenvergewaltigung im Irak wird etwa mit "Alles Lügen des Westens!" kommentiert - wie die fehlenden Massenvernichtungswaffen im Irak 2003 und wie die erfundenen Berichte aus Kuwait 1990, dass die Iraker die Babys aus den Brutkästen werfen. Und selbst wer die IS für schrecklich hält, hat deswegen noch lange kein Vertrauen in die USA. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 6.10.2014)

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