Amtsinhaberin Rousseff Favoritin bei Wahl in Brasilien 

5. Oktober 2014, 08:20
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Sozialdemokrat Neves vor Umweltpolitikerin Silva in Rennen um zweiten Platz

Rio de Janeiro - Bei der Präsidentenwahl in Brasilien ist die Amtsinhaberin Dilma Rousseff als Favoritin ins Rennen gegangen. Nach den letzten Umfragen vor der Abstimmung am Sonntag musste Rousseff aber damit rechnen, sich in einer Stichwahl erneut den Wählern zu stellen. Zwischen dem Sozialdemokraten Aecio Neves und der Sozialliberalen Marina Silva zeichnete sich ein enges Rennen um den Einzug in die Stichwahl ab.

Rousseff sagte bei der Stimmabgabe in der südlichen Küstenstadt Porto Alegre, sie habe von Anbeginn mit zwei Wahlrunden gerechnet. Letzte Umfragen sahen sie bei 41 bis 46 Prozent der Stimmen. Neves kam auf 24 bis 27 Prozent, knapp dahinter folgte Silva mit 21 bis 24 Prozent. Neben dem Staatsoberhaupt und den 513 Parlamentsabgeordneten in Brasilia wurden am Sonntag auch die Gouverneure der 27 Bundesstaaten und ein Drittel der Senatoren gewählt.

400.000 Sicherheitskräfte im Einsatz

Die Wahllokale öffneten um 08.00 Uhr (Ortszeit; 13.00 Uhr MESZ). Dank der in Brasilien seit 1996 eingesetzten elektronischen Wahlmaschinen wurden vorläufige Ergebnisse noch vor Mitternacht erwartet. Mehr als 400.000 Sicherheitskräfte überwachten die Wahl im bevölkerungsreichsten Land Südamerikas, bei der die Stimmabgabe für alle 18- bis 70-Jährigen Pflicht ist. Insgesamt waren mehr als 142 Millionen Brasilianer zur Wahl aufgerufen.

Armut und Korruption

Die Wahl wurde allgemein als Abstimmung über die zwölfjährige Amtszeit der Arbeiterpartei (PT) von Rousseff und ihrem Vorgänger Luiz Inacio Lula da Silva gewertet. Die beiden Präsidenten können sich zugute halten, rund 30 bis 40 Millionen Brasilianer aus der Armut geholt zu haben. Allerdings kämpfte die PT-Regierung zuletzt mit zahlreichen Korruptionsskandalen und Vorwürfen der Verschwendung von Steuermitteln für prestigeträchtige Sportveranstaltungen.

Überschattet wurde der Wahlkampf von einem tragischen Unfall: Mitte August starb der Kandidat Eduardo Campos der Sozialistischen Partei bei einem Flugzeugunglück. An seine Stelle trat die 56-jährige frühere Umweltministerin Silva - und legte in den Umfragen sofort deutlich zu. Mit der Amtsinhaberin lieferte sie sich im Wahlkampf immer wieder einen Schlagabtausch, insbesondere beim Thema Armutsbekämpfung, doch verlor sie zuletzt an Boden gegenüber Neves.

Spekulationen um Kandidaten in der Stichwahl

Der Politikwissenschaftler Marcos Toyjo sagte, die Befürworter eines Wandels scharrten sich nun hinter dem Sozialdemokraten. "Wenn er es tatsächlich in die Stichwahl schafft, wird es eng. Seine Partei ist anders als die von Marina Silva in ganz Brasilien gut aufgestellt. Die Brasilianer werden den Atem anhalten", sagte Toyjo. Die Brasilienexpertin Julia Sweig wies jedoch darauf hin, dass Neves' Wählerschaft zu vielfältig sei, um bis zum Sieg zusammenzuhalten.

Die 56-jährige Marina Silva hatte mit ihrem Versprechen einer "neuen Politik" zunächst Schwung in den Wahlkampf gebracht. Ihr Lebensweg von einer armen Hausangestellten bis zur Vorkämpferin für Naturschutz und Umweltministerin hatte viele inspiriert, doch verlor sie im Endspurt an Boden. Für Kritik sorgte etwa die Entscheidung der bekennenden Evangelikalen, nach Druck ihrer Kirche ihre Haltung zur Homo-Ehe zu ändern und diese abzulehnen. Die Stichwahl ist für den 26. Oktober angesetzt. (APA, 4.10.2014)

  • Dilma Rousseffs Wiederwahl zur Präsidentin ist kein Spaziergang. Auf diesen Wahlplakaten in Brasilia wurde ihr Kopf ausgeschnitten.
    foto: reuters/marcelino

    Dilma Rousseffs Wiederwahl zur Präsidentin ist kein Spaziergang. Auf diesen Wahlplakaten in Brasilia wurde ihr Kopf ausgeschnitten.

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