"NHL 15" im Test: Ein Ausrutscher am virtuellen Eis

9. Oktober 2014, 10:03
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Solides Basisspiel trifft auf PS4 und Xbox One auf mangelhaften Spielumfang ohne jegliche Langzeitmotivation

Es hätte ein Eishockey-Feuerwerk werden können. Da EA Sports mit "NHL 14" im vergangenen Jahr die bestmöglichste Eishockey-Simulation für PS3 und Xbox 360 liefern wollte, wurden die neuen Konsolen außen vor gelassen. Nach längerer Entwicklungszeit feierte die langjährige Reihe schlussendlich mit "NHL 15" sein Debüt auf der PlayStation 4 und Xbox One. Der GameStandard hat sich mit der PS4-Version aufs virtuelle Eis gewagt.

Weniger statt mehr

Viel musste EA Sports in den vergangenen Jahren bei ihrer Eishockey-Simulations-Reihe nicht ändern, vielmehr wurde Jahr für Jahr ein gelungenes Game mit kleinen Verbesserungen verkauft. Eishockey wurde bei "NHL 15" zwar nicht neu erfunden, jedoch verrät bereits das Menü, dass die Entwickler bei der Version für die neuen Konsolen ordentlich am Werk waren. Allerdings nicht im positiven Sinne, denn etliche Modi wurden entweder komplett entfernt oder im großen Umfang beschnitten.

Keine Langzeitmotivation

Mittels Content-Update wurden bereits vereinzelt Modi-Lücken gestopft, trotzdem kann "NHL 15" einfach nicht das bieten, was die Hockey-Reihe bereits seit Jahren im Repertoire hat. Dies wäre insofern nicht eine derartige Enttäuschung, hätten die Entwickler die verbleibenden Spielmodi deutlich verbessert oder mit neuen Features aufgewertet. Doch auch hier wurde größtenteils die Schere angesetzt, was einen seelenlosen "Be a Pro" oder "General Manager"-Modus ohne jegliche Langzeitmotivation hervorgebracht hat. EA Sports verspricht zwar Verbesserungen durch Content-Updates, der derzeitige Spielmodus-Umfang ist allerdings ungenügend.

Fesche Grafik und Präsentation

Wagt man sich dann schlussendlich aufs virtuelle Eis, wird man zumindest von der neuen Spielpräsentation und der deutlich verbesserten Grafik vertröstet. Die Spieler sind durch die Reihe fast perfekt modelliert, auch das Publikum sieht nun realistischer aus und reagiert auf das Spielgeschehen am Eis. Wird der Puck dann schlussendlich freigegeben, kann die Jagd danach auch schon beginnen. Mit gewohnt guter und präziser Steuerung der vergangenen Jahre - zumindest hier blieb man sich treu.

Verdammtes Momentum

Am Gameplay hat EA ebenso gewerkelt, das Momentum nimmt nun einen deutlichen Einfluss am Spielgeschehen ein. Dies wirkt sich nicht nur auf die Leistung der Feldspieler, sondern auch auf die des Torhüters aus, der in einer schlechten Phase bei Schüssen hinter sich greifen muss, die er zuvor souverän abgewehrt hatte. Eine 4:1-Führung kann durch einen Momentum-Umschwung dann schon schnell kippen - Spielrealismus der frustet. Für anfängliche Frustmomente kann auch die eigene Defense sorgen, hierbei hat man bei den ersten Partien alle Knöpfe voll zu tun, um das eigene Tor sauber zu halten. Die gegnerischen Forwards nutzen Stellungsfehler oder schlecht ausgefahrene Checks nämlich eiskalt aus.

Watschentanz am Eis

In der NHL immer weniger Spielelement, dafür am virtuellen Feld umso mehr: Kämpfe. Provoziert man die gegnerischen Verteidiger oder Torhüter mit unfairen Aktionen oder Nachstochern, sind die Handschuhe eines Gegenspielers schon einmal schnell am Eis und die Fäuste am Weg zum Gesicht. Dabei erinnert die Fight-Engine sehr stark an die der Vorjahres-Version, allerdings werfen sich wichtige Spieler nicht mehr derart schnell in einen Kampf, um nicht fünf Minuten auf der Strafbank abzusitzen und so dem eigenen Team einen Nachteil zu verschaffen.

Neues Kommentatoren-Duo

Zu guter Letzt wurden auch die Spielkommentatoren ausgetauscht. Nach acht Saisonen mit Gary Thorne and Bill Clement kommentieren fortan Mike 'Doc' Emrick und Eddie Olczyk das virtuelle Spielgeschehen. Diese wirken allerdings noch repetitiver als das Kommentatoren-Duo der vergangenen Jahre und erkennen Spielsituationen entweder viel zu spät oder gar nicht. Auch hier hat EA Sports noch einige Arbeit vor sich.

PS3 und Xbox 360-Version fast identisch mit Vorgängerversion

Viel Arbeit hat sich EA bei der PS3- und Xbox 360-Version nicht angetan, wie auch schon bei "Madden NFL 15" wird die Vorgängerkonsolen-Version mit fast identem Spielinhalt unter anderem Namen verkauft. Bis auf ein Kaderupdate und neuem Soundtrack hat das Game nämlich keine Überarbeitung erfahren. Dafür den Vollpreis zu verlangen ist schlichtweg ein übler Zug, der einige Kunden vergraulen wird.

Fazit

Mit "NHL 15" für PS4 und Xbox One hat EA Sports eine Eishockey-Simulation auf den Markt geworfen, die bestenfalls als Demo mit allen Teams bezeichnet werden kann. Das Basisspiel ist grundsolide mit Stärken bei Grafik und Gameplay, allerdings fehlt durch die mangelhaften Spielmodi jegliche Langzeitmotivation. Schlussendlich kann die erste Next-Gen-Ausgabe des Eishockey-Spiels nur als kleiner Ausblick angesehen werden, in welche Richtung sich die sonst so starke Reihe entwickeln wird. (Daniel Koller, derStandard.at, 9.10.2014)

Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Das getestete Rezensionsexemplar zu "NHL 15" für PS4 wurde von EA zur Verfügung gestellt.

Link

EA Sports - "NHL 15"

  • "NHL 15" ist für PS4, Xbox One, PS3 und Xbox 360 erschienen. Alterseinstufung: ab 12 Jahren (USK). UVP: 69,99 Euro.
    foto: ea sports

    "NHL 15" ist für PS4, Xbox One, PS3 und Xbox 360 erschienen. Alterseinstufung: ab 12 Jahren (USK). UVP: 69,99 Euro.

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