Nach Enthauptung von Briten: Cameron will "alles tun", um andere Geiseln zu retten

4. Oktober 2014, 14:31
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Empörung in Großbritannien nach Mord an Alan Henning

London - Die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) hat eine weitere westliche Geisel hingerichtet. Die Jihad-Beobachtungsplattform Site berichtete am Freitag über ein Internetvideo, das die Enthauptung des Briten Alan Henning zeigen soll. Zugleich drohten die Extremisten darin mit der Ermordung eines US-Bürgers, der sich in ihren Händen befindet. Laut US-Außenministerium dürfte das Video echt sein.

Der britische Premierminister David Cameron erklärte, die Ermordung Hennings zeige, "wie grausam und abscheulich diese Terroristen sind". Er kündigte an, Großbritannien werde alles tun, um die Mörder zur Rechenschaft zu ziehen und um festgehaltene Geiseln aufzuspüren und ihnen zu helfen. Das britische Außenministerium prüft die Authentizität des Videos noch.

Henning, ein ehemaliger Taxifahrer aus Salford bei Manchester im Alter von 47 Jahren, war seit Dezember 2013 in der Gefangenschaft der Miliz. Er hatte sich einem Hilfskonvoi für syrische Flüchtlinge angeschlossen und war dabei in die Hände der Terroristen gefallen. IS-Extremisten hatten zuvor die beiden Amerikaner Jim Foley und Steven Sotloff sowie den britischen Entwicklungshelfer David Haines auf bestialische Weise getötet.

IS-Extremisten drohen

Als ihr nächstes Opfer haben die Extremisten des Islamischen Staates (IS) einen ehemaligen US-Elitesoldaten präsentiert. Bei der 26 Jahre alten Geisel handelt es sich nach Angaben der "Washington Post" um ein früheres Mitglied des 75. Ranger Regiments. Der Infanterist habe mit seiner Einheit von April bis Juli 2007 im Irak gedient.

Nach seinem ehrenhaften Ausscheiden aus dem Armeedienst aus medizinischen Gründen habe der Mann damit begonnen, Politikwissenschaft zu studieren, berichtete das Blatt weiter. Während seiner Semesterferien sei er in den Nahen Osten gereist. Von der türkischen Grenzstadt Gaziantep aus habe er später unter anderem Erste-Hilfe-Lieferungen nach Syrien transportiert und in humanitären Projekten mitgearbeitet.

Konvertiert

Der aus Indianapolis (Indiana) stammende Mann wurde nach Angaben seiner Eltern am 1. Oktober 2013 während einer Hilfsmission in Dair as-Saur im Osten Syriens entführt. Wie der Sender CNN berichtete, trat die Geisel während ihrer Gefangenschaft zum Islam über und nennt sich Abdul-Rahman.

US-Präsident Barack Obama verurteilte die Ermordung Hennings. Er versprach, die Verantwortlichen für alle Geisel-Ermordungen würden zur Rechenschaft gezogen. Die Mitglieder des UN-Sicherheitsrates sprachen von einem "feigen Mord" an Henning.

Vorbereitetes Statement

Das am Freitag aufgetauchte Video ist nur eine Minute und elf Sekunden lang. In der Aufmachung folgt es seinen Vorgängern: Das Opfer kniet in orangener Häftlingskleidung auf dem Erdboden. Neben ihm ist ein in schwarz gekleideter, völlig vermummter IS-Kämpfer zu sehen. Henning muss ein vorbereitetes Statement vortragen. "Wegen der Entscheidung unseres Parlaments, den Islamischen Staat anzugreifen, werde nun ich, ein Mitglied der britischen Öffentlichkeit, den Preis für diese Entscheidung zahlen."

Der mutmaßliche Mörder spricht mit britischem Akzent und wendet sich direkt an Cameron. "Das Blut von David Haines war an deinen Händen, Cameron. Alan Henning wird ebenfalls geschlachtet, aber sein Blut klebt an den Händen des britischen Parlaments." Britische Kampfflugzeuge hatten Ende September erstmals IS-Ziele im Irak beschossen; dem voraus ging ein Beschluss des Londoner Unterhauses.

Noch drei Tage vor der Veröffentlichung des jüngsten Enthauptungsvideos hatte Hennings Ehefrau Barbara in einer Videobotschaft an die Entführer appelliert, ihren Mann freizulassen. Er sei auch nach den Maßstäben der islamischen Scharia-Gesetzgebung unschuldig. Seine Familie brauche ihn.

Grenzenlose Verdorbenheit

"Meine Gedanken sind in dieser Nacht bei Alans Frau Barbara, ihren Kindern und allen, die ihn geliebt haben", teilte Cameron weiter mit. Henning sei nach Syrien gegangen, um Menschen in Not gleich welcher Glaubensrichtung zu helfen. Seine Ermordung zeige, dass die Verdorbenheit der IS-Terroristen keine Grenzen kenne.

Cameron traf sich nach Bekanntwerden des Videos mit Geheimdienstleuten. An dem Treffen auf seinem Landsitz Chequers nahmen auch Vertreter der Armee und des Außenministeriums teil, teilte die Downing Street am Samstag mit.

Die USA gehen bis dato als einziger Staat sowohl im Irak als auch in Syrien gegen die Jihadisten vor. In Syrien griffen Kampfflugzeuge der US-geführten internationalen Koalition am Freitagabend erneut Stellungen der Miliz bei Kobane (Ayn al-Arab) an. Der IS versucht seit Tagen, die von Kurden verteidigte Stadt im Norden des Landes einzunehmen.

Belagerung von Kobane

Mit Spannung wird beobachtet, ob eventuell die türkischen Streitkräfte auf die Hilferufe der eingekesselten Verteidiger von Kobane reagieren. Das Parlament in Ankara hatte am Donnerstagabend Militäreinsätze in Syrien und im Irak gebilligt.

Das syrische Regime warnte das Nachbarland vor einem Eingreifen. Jede türkische Intervention auf syrischem Boden werde als "Verletzung der Souveränität und Akt der Aggression" angesehen, erklärte das Außenministerium in Damaskus.

Kanada steht unterdessen vor einer Beteiligung an der internationalen Koalition gegen den IS. Das Parlament entscheidet am Montag darüber. Am Freitag hatte Australien seine Teilnahme beschlossen. (APA, 3.10.2014)

  • Alan Henning wurde von Terroristen der Organisation Islamischer Staat ermordet.
    foto: reuters

    Alan Henning wurde von Terroristen der Organisation Islamischer Staat ermordet.

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