Luxusbranchen spüren den schwachen Rubel

5. Oktober 2014, 10:00
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Die konsumfreudigen Russen, die Luxusgeschäfte und Top-Hotels belebten, sind neuerdings sparsamer. Der Grund: Sanktionen und Rubelverfall.

Wien - Schon bevor die EU gegenüber Russland Sanktionen aussprach, war in der Wiener Innenstadt spürbar: Die Zeit des großen Konsums, die Phase der stetigen hohen Zuwachsraten sind vor- bei. Die Russen sind sparsamer geworden.

Seit Jahresbeginn beobachten einige Branchen - neben Tourismus auch der Handel oder die Gastronomie -, dass es mit den liebgewordenen Zuwachsraten beim Geschäft mit den Russen einmal vorbei ist. Nicht nur bei den Nächtigungen gab es ein Minus (der Standard berichtete), auch gaben die russischen Touristen, die kamen, weniger aus.

So ist der Gesamtumsatz mit russischen Gästen heuer im ersten Halbjahr laut Mehrwertsteuerrückerstatter Global Blue um 16,8 Prozent eingebrochen, betonte kürzlich die Obfrau der Bundessparte Tourismus und Freizeitwirtschaft in der Wirtschaftskammer, Petra Nocker-Schwarzenbacher.

Mittelstand bleibt aus

Dabei dürfte es vor allem für den russischen Mittelstand zunehmend zu teuer werden, eine Auslandsreise zu tätigen. Denn bei einem zurückgegangenen Gesamtumsatz des Wiener Handels mit russischen Touristen sind die einzelnen Umsätze in den Shops gestiegen, weiß Peter Bernert, Inhaber des Bekleidungsgeschäftes Zur Brieftaube. "Das kann nur heißen, dass wegen der Sanktionen und der Rubelschwäche der russische Mittelstand nicht kommt, die ganz Reichen aber nach wie vor."

Trotzdem blicken die Luxuslabels, die sich auf den Geschmack der russischen Klientel eingestellt haben, besorgt nach Russland. Für die Modebranche ist der russische Markt in den letzten Jahren immer wichtiger geworden; es gibt (italienische, französische) Marken, die die Hälfte ihres Umsatzes mit russischen Kundinnen machen.

Keine Zölle

Für diese Käuferinnen ist der Erwerb eines Outfits im Rahmen eines Wien-Besuches aber noch immer ein Schnäppchen - schließlich fallen im Gegensatz zu ihrer Heimat hierzulande keine Zölle an.

Was die Top-Hotellerie betrifft, verweist Vera Schweder von Wien Tourismus darauf, dass das Angebot in Wien stark ausgebaut wurde, die Auslastung aber trotzdem zufriedenstellend sei. "Wir haben das Glück, dass die Nachfrage aus anderen hochpreisigen Märkten stark angestiegen ist: aus Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten, den USA." So seien die gut 60.000 Hotelbetten in Wien - davon 7259 im Fünf-Sterne-Bereich - trotz weniger Ankünfte aus Russland nicht leer geblieben.

Reiseveranstalter leiden

Die Österreich Werbung, die bereits an der kommenden Wintersaison arbeitet, hat die Misere mit dem Wechselkurs schon länger kommen gesehen. "Dies beeinflusst das Reiseverhalten mehr als die politischen Unruhen", schätzt Unternehmenssprecherin Ulrike Rauch-Keschmann.

Der Konkurs einiger großer russischer Reiseveranstalter in den letzten Monaten mache eine Prognose noch schwieriger. "Wir hoffen, dass es stattdessen zu Direktbuchungen kommt." In den letzten Jahren habe das Russland-Geschäft geholfen, das traditionelle "Jänner-Loch" im Wintertourismus zu stopfen. Ausgiebig shoppen gehört bei einem Städtetrip dazu. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, 4.10.2014)

  • Die Einkaufstaschen russischer Kunden sind nicht mehr prall gefüllt
    foto: dpa / marc müller

    Die Einkaufstaschen russischer Kunden sind nicht mehr prall gefüllt

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